Barocke Tanzmusik und romantisches Konzert

Wer von französischer Musik hell timbrierte Silberklänge und federleichte Eleganz erwartet, kommt beim Orchestre „Les Siècles“ voll auf seine Kosten. Das zeigten die jungen Musiker des vor zehn Jahren von François-Xavier Roth gegründeten Ensembles jetzt in der gut gefüllten Philharmonie. Und zwar in voller Bandbreite von barocker Tanzmusik bis zum romantischen Violinkonzert. Interessant, dass „Les Siècles“ die federnde Biegsamkeit, mit dem sie die höfisch gefärbten Tänze von Rameau und Grétry zum Klingen brachten, unvermindert auf später entstandene Werke von Saint-Saëns und Georges Bizet übertrugen.


Lediglich das Instrumentarium wechselte man aus, was aber an der stilistischen Einheitlichkeit nichts änderte. Dass der gesamte Abend ohne tiefschürfende Gegenstücke aus der deutschen Tradition ungewohnt leichtgewichtig wirkte, schmälert nicht den Respekt vor der famosen Spielkultur des Ensembles. So leuchtkräftig und leichtfüßig sind die Ouvertüren, Märsche und Airs von Rameau & Co. selbst in der harten Konkurrenz vieler hochwertiger Spezialensembles nicht oft zu hören. Nicht zu vergessen die glänzende französische Bläsertradition, die sich vor allem in delikaten Soli in Bizets Erster Symphonie niederschlugen.


Der französische Star-Geiger Renaud Capuçon passte sich diesem Stil nahtlos an und vermied in seiner federnden Interpretation von Saint-Saëns‘ bekanntestem Violinkonzert in h-Moll jeden klanglichen Fettansatz. Eine Interpretation aus einem Guss. Begeisterter Beifall für einen Abend feinster Spielkultur.

 
 

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