Bank-Mitarbeiter soll beim Kreditbetrug geholfen haben

Die Gallinat-Bank saß viele Jahre in der Essener City an der Lindenallee.
Die Gallinat-Bank saß viele Jahre in der Essener City an der Lindenallee.
Foto: uvb / NRZ
  • ehemaliger Abteilungsleiter soll die Gallinat-Bank um rund eine Million Euro geschädigt haben
  • Abteilungsleiter soll dabei „pflichtwidrig” Darlehen alleine bewilligt und nicht auf Risiken geachtet haben
  •  mutmaßliche Komplizen waren gar nicht in der Lage, die Kredite zurückzuzahlen

Essen.. Die Gallinat-Bank, einst eine feine Adresse im Essener Bankenviertel in der Lindenallee, gibt es nicht mehr. Aufgekauft wurde sie, die Filiale 2014 geschlossen. Doch ein Strafprozess vor dem Landgericht erinnert seit Freitag an das Geldinstitut. Angeklagt ist ein ehemaliger Abteilungsleiter, der von 2008 bis 2011 mit fünf Komplizen die Gallinat-Bank um rund eine Million Euro geschädigt haben soll.

Zum Prozessauftakt schweigt der 47-Jährige. Er hatte 2007 die Aufgabe, den Geschäftskundenbereich auszubauen. So bekam er Kontakt zu seiner Mitangeklagten, einer heute 32 Jahre alten Geschäftsfrau aus einer kleinen Stadt an der Grenze zu Holland. Sie besaß damals einen Großhandel mit Kois und Teichbedarf.

Kredite soll sie gebraucht haben, um ihre Ware vorzufinanzieren. Das Kreditgeschäft lief offenbar gut. Zu gut. Denn bei einem Jahresumsatz von 500.000 Euro soll die Gallinat-Bank ihr 700.000 Euro an Darlehen gewährt haben. Außerdem hätte die 32-Jährige mit dem Banker Kredite an Strohleute, die übrigen Angeklagten, vergeben. Insgesamt, so Staatsanwalt Gregor Hähner, sei der Gallinat-Bank ein Schaden von insgesamt einer Million Euro entstanden.

27-Jährige weist Vorwürfe zurück

Der Abteilungsleiter soll dabei „pflichtwidrig” die Darlehen alleine bewilligt und nicht auf die Risiken geachtet haben. Gegenüber seinen Vorgesetzten hätte er dies verschleiert. Bewusst hätte er seinem Arbeitgeber auch verheimlicht, dass seine mutmaßlichen Komplizen gar nicht in der Lage gewesen seien, die Kredite zurückzuzahlen.

So hätte sich ein arbeitsloser 35-Jähriger aus Düren fälschlich als Zahnarzt ausgegeben. Angeblich brauchte er 100.000 Euro für den Kauf dreier Zahnarztstühle.

Bislang hatten die Angeklagten zu den Vorwürfen geschwiegen oder sie bestritten. Einige hatten sogar Anzeige gegen die Bank erstattet. Im Prozess wollen sie erst später aussagen. Nur eine 27-Jährige, die wegen einer schlechten Schufa-Auskunft Probleme hatte, ein Konto zu eröffnen, redet am Freitag. Sie weist die Vorwürfe aber zurück. Sie hätte mal ein Konto eröffnet, dann aber nichts mehr von der Bank gehört. Sie deutet an, dass dann wohl der Mitangeklagte mit ihrer Unterschrift einen Kreditantrag gefertigt hätte – ohne ihr Wissen. Sieben Prozesstage hat die XII. Strafkammer angesetzt, um Licht in das Dunkel einer längst vergangenen Bank zu bringen.

 

EURE FAVORITEN