Bangen um 660 Stellen bei Vodafone

Vodafone will nach Angaben der IG Metall 660 Stellen in Essen streichen. Foto: Ulrich von Born
Vodafone will nach Angaben der IG Metall 660 Stellen in Essen streichen. Foto: Ulrich von Born
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Essen. Der Kommunikations-Konzern Vodafone plant offenbar einen massiven Stellenabbau. Nach Betriebsratsangaben „soll der Standort Essen mit dessen 500 Kundenbetreuern aufgelöst werden“. Weitere Mitarbeiter sollen nach Düsseldorf und Ratingen umziehen. 660 Beschäftigte seien insgesamt bedroht.

IG Metall und die Gewerkschaft EVG haben „massive Proteste“ angekündigt. Vodafone wiegelt ab: „Es gibt noch keine Entscheidungen“, sagt Konzernsprecher Alexander Esener.

Bereits vor einem Jahr hatte Vodafone nach Angaben des Gesamtbetriebsrates beschlossen, rund 200 Mitarbeiter aus der Weststadt nach Dortmund zu verlagern. Jetzt geht es um den Kundenservice der Festnetzsparte Arcor an der Rellinghauser Straße. Vodafone hat das Festnetz von Arcor vor drei Jahren übernommen.

Festnetz-Standard "ist technisch ziemlich am Ende"

Hintergrund der Unternehmenspläne: Das Festnetz ist für Vodafone ein Auslaufmodell in Sachen multimediale Anwendungen. Der Festnetz-Standard DSL „ist technisch ziemlich am Ende“, sagte Friedrich Joussen, Chef von Vodafone Deutschland, erst gestern vor dem Start der Internationalen Funkausstellung IFA in Berlin. Vor allem in Städten sei die Infrastruktur aufgereizt. Deshalb kündigte Joussen den Ausbau des schnellen Internets nach dem LTE-Standard an. Damit kann Vodafone nicht nur mobiles Internet mit höherer Bandbreite anbieten, sondern auch noch eine Menge Geld sparen. 500 Millionen Euro muss der Konzern jährlich an Servicegebühren an die Telekom überweisen. „Wenn wir diese Summe sparen könnten, dann könnten wir viele schöne eigene Netze bauen“, sagte Joussen. In Düsseldorf etwa will Vodafone ab September eigene LTE-Zugänge anbieten.

IG Metall-Sekretär Alfons Rüther nennt diese Strategie einen „Irrweg“. „Offenbar hat Vodafone die Konkurrenz durch die Kabelnetzbetreiber unterschätzt.“ Und zum Funknetz-Standard LTE sagt Rüther: „Nicht jeder Nutzer will seinen Mailverkehr und Internetgeschäfte über das Smartphone abwickeln.“ Klaus-Dieter Hommel, Vizechef der Gewerkschaft EVG: „Ich kann in dem drastischen Personalabbau allenfalls eine gewisse Hilflosigkeit und Kurzsichtigkeit erkennen.“ Er kündigte „entschiedenen Widerstand“ der EVG-Betriebsräte an.“

Durch den Umstieg auf LTE werde es „personelle Überkapazitäten“ geben, räumt Konzernsprecher Esener an, „aber erst in zwei, drei Jahren“. Noch gebe es keine Entscheidungen, „Und wenn es sie gibt, passiert das im Dialog mit unseren Mitarbeitern und Betriebsräten.“

Vielleicht hat dieser Dialog schon begonnen. Am Freitag um 9 Uhr, berichtet Rüther, lädt Vodafone-Personalleiter Elsen zu einer Mitarbeiterversammlung, um über „notwendige Veränderungen“ zu sprechen.

 
 

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