Balkan-Beats unterm Doppelbock

Bekanntermaßen beginnt der Balkan gleich südlich hinter Wien. In Essen dagegen lag er einen überraschend ausdauernden Abend lang unter dem Doppelbock-Förderturm von Zollverein. Denn dort gab sich Multi-Instrumentalist Slobodan Trkulja mit dem WDR Funkhausorchester und seiner Band „Balkanopolis“ die Ehre. Ein Star in seiner Heimat Serbien, hierzulande augenscheinlich kaum bekannt - und von der balkanesischen Community des Ruhrgebiets (aus welchen Gründen auch immer) nicht wahrgenommen.

Dabei ist der Musiker ein faszinierender Erneuerer uralter Klangtraditionen östlich der Adria. Man konnte nur staunen, wie souverän der 37-Jährige mit dem Material spielte und osmanisch beeinflusste Volkslieder mit rockigen Grooves und ausgefeilten Streicherteppichen zu verblüffend homogener Synthese führte.

Dass Trkulja zuerst dem ungarischen Komponisten Béla Bartók mit einer Auswahl seiner „Tänze aus Siebenbürgen“ huldigte, warf ein bezeichnendes Licht auf den eigenen Anspruch. Das ganz große Ding ist seine Sache und da passte das von Arjan Tien sicher geführte WDR Funkhausorchester bestens ins Konzept rocksymphonischer Opulenz.

Für die frickeligen Balkan-Beats sorgte Drummer Arie Den Boer, cool assistiert von Dejan Antovi am tieftönenden Fünf-Saiter und Leonid Pilipovi an der Tarpan, einer beidseitig geschlagenen Trommel. Garniert wurde der schillernde Sound von Milo Jakovljevi auf der bulgarischen Hirtenflöte Kaval, während Dragutin Jakovljevi(Git.) und Tastenmann Marko Milatovi für vorwiegend rockige Akzente zuständig waren.

Im Mittelpunkt aber stand klar der Star des Abends, der lässig mit Klarinette oder Dudelsack seine eindringlichen Melodien präsentierte. Ein starkes Konzert, nachzuhören am 23. April ab 20.05 Uhr auf WDR 4.

 
 

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