Baldeneysee lag auf dem Trockenen

Rund 6000 Bomben soll die Scheinanlage in den ersten Kriegsjahren laut Schätzungen auf sich gezogen und von Essen ferngehalten haben. „Aus 4000 Metern - in dieser Höhe operierten die britischen Flugzeuge - war es bis 1943 nachts ungeheuer schwer, ein Ziel genau zu lokalisieren“, weiß Hobbyforscher Helmut Grau. Die echte Fabrik im Essener Westen war wie alle Städte und das gesamte Land nachts komplett verdunkelt. Da war es verführerisch anzunehmen, dass dieses leicht funkelnde 2,5 mal 1,5 Kilometer große Gelände, das zum Schein sogar mit Flak-Geschützen verteidigt wurde, das gesuchte Ziel war. „Den Piloten war zudem gesagt worden, sie mögen sich an der großen Wasserfläche des Baldeneysees orientieren“, so Lohbeck. Nur: Das Wasser war zu Anfang des Krieges abgelassen worden, um genau dies zu verhindern.

So konnte bei Krupp bis Anfang 1943 jedenfalls ungestörter als gedacht produziert werden, obwohl es den Briten irgendwann gelang, viele der streng geheimen Scheinanlagen zu enttarnen, von denen es im Reichsgebiet zum Schutz von Industriebetrieben rund 300 gab. Mit abgeworfenen Holz-Bomben und der Aufschrift „wood for wood“ - machten sie dies auch deutlich.

Bis dahin aber mussten die Landbewohner im Norden Velberts die Bomben ertragen die eigentlich Essen zugedacht waren. „Die Bauern, die am Gelände lebten, wurden jeden Abend evakuiert und durften erst am nächsten Tag wieder auf ihre Höfe“, so Lohbeck. Tote habe es deshalb keine gegeben. „Aber die Angst der Menschen war natürlich sehr groß.“ Sich opfern für Essen und Krupp - das war viel verlangt.

Ab Januar 1943 war das vorbei und die Anlage obsolet geworden. Angst vor Bombardierung hatten jetzt andere: die Essener Zivilbevölkerung und diejenigen, die Tag und Nacht in der Gussstahlfabrik die Produktion sichern mussten. In den über zwei Jahren Bombenkrieg, die noch folgen sollten, holten die Alliierten alles nach. Stadt und Fabrik wurden gründlichst zerstört.

 
 

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