Bahnstrecke der S6 in Essen bleibt wohl bis Donnerstagmittag gesperrt

Ingmar Kreienbrink und Sophia Schauerte
Das Triebfahrzeug und ein Wagen der S6 sind in der Nacht zu Mittwoch bei Essen-Werden entgleist.
Das Triebfahrzeug und ein Wagen der S6 sind in der Nacht zu Mittwoch bei Essen-Werden entgleist.
Foto: Gerd Niewerth
Die S-Bahn-Strecke der Linie 6 zwischen Kettwig und Essen Hauptbahnhof ist wegen eines Unfalls unterbrochen worden. In der Nacht zum Mittwoch war eine S-Bahn gegen ein Baufahrzeug gefahren. Die Streckensperrung wird vermutlich erst Donnerstagmittag aufgehoben. Ein Not-Busverkehr wurde eingerichtet.

Essen. Nach einem Zugunfall ist der S-Bahnverkehr der Linie 6 zwischen Essen-Kettwig und Essen-Hauptbahnhof unterbrochen. Kurz nach Mitternacht war die S 6 auf dem Weg in Richtung Düsseldorf mit einem Baufahrzeug kollidiert. Verletzt wurde glücklicherweise niemand.

In Essen-Stadtwald musste die Bahn nach Angaben der Bundespolizei wegen offiziell angesetzter Ausbesserungsarbeiten am Oberbau der Strecke ihr Richtungsgleis verlassen und wurde auf das parallel laufende Gleis umgeleitet.

Nach der Baustelle sollte der erneute Gleiswechsel zurück auf das richtige Gleis in Essen-Werden erfolgen, doch in diesem Weichenbereich stand ein Bauzug. Diesen touchierte die S-Bahn seitlich. Durch die Kollision entgleiste das Triebfahrzeug der S 6 und landete im Schotterbett. Der erste Waggon sprang ebenfalls aus den Schienen und neigte sich 45 Grad zur Seite.

Fahrgäste durften den Zug nicht sofort verlassen

Polizei und Feuerwehr waren schnell mit einem Großaufgebot am Einsatzort, um mögliche Verletzte zu versorgen. Als die ersten Kräfte eintrafen, stellte sich nach Angaben der Essener Feuerwehr aber schon heraus, dass anscheinend niemand bei dem Zusammenstoß verletzt worden war.

Da eine Oberleitung beschädigt war, musste die Feuerwehr erst darauf warten, dass Mitarbeiter der Bahn den Fahrdraht erdeten, bevor die Strecke und die S-Bahn betreten werden konnten. Während dieser Zeit - so berichtet Feuerwehr-Sprecherin Susanne Klatt - bestand telefonischer Kontakt zum Zugpersonal "und die meisten Fahrgäste reagierten ruhig und besonnen und warteten, bis die Rettungskräfte am Zug waren".

Nach erfolgter Erdung der Oberleitung untersuchte ein Rettungsdienst die Zuginsassen und bestätigte, dass alle 26 Reisende - darunter auch Kinder - sowie der 48-jährige Zugführer den Unfall unverletzt überstanden hatten. Feuerwehrkräfte geleiteten die Passagiere anschließend zum Bahnhof Werden.

Dr. Elisabeth van Heesch-Orgass, Grüne Ratsfrau aus Werden, lobt den Einsatz der Retter: "Feuerwehr und Rettungsdienst haben hier mit größter Besonnenheit und absolut professionell schnell und zügig geholfen", schreibt sie in einer Mitteilung. "Es hätte eine Katastrophe mit Todesopfern und Schwerverletzten werden können." Eine gründliche Aufarbeitung des Vorfalls und seiner Gründe sei nun dringend geboten, um eine Wiederholung unbedingt zu vermeiden.

Kommunikations-Panne als mögliche Unfallursache 

Die Ermittlungen zur Unfallursache laufen. Bereits in der Nacht hat die Bundespolizei nach eigenen Angaben Beweismittel am Triebfahrzeug sowie im für den Gleisabschnitt zuständigen Stellwerk der Deutschen Bahn gesichert.

Am Mittag schließt die Bundespolizei einen technischen Defekt aus: "Es gab wohl einen Fehler in der Kommunikation zwischen dem Stellwerk und dem Sicherheitsbeauftragten des Bautrupps", sagt ein Sprecher. Die S-Bahn hätte nicht fahren dürfen, solange der Bauzug im Weichenbereich stand. "Wir gehen zur Zeit von menschlichem Versagen aus." Es wurde ein Ermittlungsverfahren wegen gefährlichen Eingriffs in den Bahnverkehr eingeleitet.

Die Bergung der Wrackteile sowie die Reparatur und Räumung der Gleise dauern an. Erst müsse ein 75-Tonnen schwerer Spezialkran herbeigeschafft werden, um die Schäden vor Ort zu untersuchen und das Ausmaß festzustellen. Mittwochnachmittag geht die Bahn davon aus, dass die Strecke bis Donnerstagmittag gesperrt bleiben muss. "Wir tun alles, damit es so schnell wie möglich weitergeht", betont eine Sprecherin.

Notverkehr mit Bussen und Taxen eingerichtet

Noch in der Nacht wurde ein Notverkehr mit Taxen und Bussen eingerichtet. "Wir haben alles im Einsatz, was wir auftreiben konnten", sagt die Bahn-Sprecherin, "aber es wird nicht im Takt der Züge laufen." Fahrgäste müssen deshalb mit Verzögerungen und längeren Fahrtzeiten rechnen.

Den aktuellen Fahrplan der Bahn sehen Sie hier.