Baby auf den Boden geworfen – Vater vor Gericht

  • 58-Jähriger hat laut Anklage seine kleine Tochter absichtlich auf den Boden geworfen
  • Mann steht seit Montag wegen versuchten Totschlags vor Gericht
  • Angeklagter Vater gilt als psychisch schwer krank

Essen.. Eigentlich sollte es ein großer Tag für das kleine Mädchen werden. Denn für die Eineinhalbjährige stand der erste Tag in der Kindertagesstätte bevor. Doch bei einem Streit der Eltern erlitt sie schwere Kopfverletzungen. Jetzt muss sich ihr Vater vor dem Essener Schwurgericht verantworten. Versuchter Totschlag ist angeklagt. Dem Kind soll es mittlerweile wieder gut gehen.

Es war eine problematische Beziehung zwischen dem 58-Jährigen und seiner 39 Jahre alten Verlobten, die er 2013 bei einem Heimatbesuch in Marokko kennengelernt hatte. Obwohl er in Deutschland verheiratet war, ebenfalls mit einer Marokkanerin, und vier Kinder hatte, holte er die jüngere Frau nach Deutschland. Schnell gab es Streit. Zu Handgreiflichkeiten des Mannes gegen sie soll es gekommen sein, einmal auch mit einem Messer. Für zehn Monate zog die zweite Frau mit der 2014 geborenen Tochter ins Mutter-Kind-Heim.

„So, nun ist sie tot, und du kannst dich verpissen“

Das Jugendamt kümmerte sich um die beiden. Die Mutter bekam eine Wohnung in Altenessen, in die der Vater des Kindes auf Geheiß der Behörden nicht einziehen durfte. Sein Kind durfte er sehen. In der Nacht zum 13. Januar übernachtete er dort.

Morgens verließ die 39-Jährige das Haus – mit der Tochter im Kinderwagen. Der Angeklagte folgte. Im Hof des Mietshauses soll er die Kleine aus dem Wagen genommen und in Kopfhöhe gehoben haben. Dann soll er sie mit Wucht auf den Boden geworfen haben. Die Anklage zitiert einen Satz, den er danach zu seiner Verlobten gesagt haben soll: „So, nun ist sie tot, und du kannst dich verpissen.“ Anschließend habe er die Frau geschlagen und getreten, auch als sie am Boden lag.

In einer von Verteidigerin Ruth Maria Fischer vorgelesenen Erklärung weist der Angeklagte die Schuld von sich. Im Streit hätten die Frau und er sich gestritten, bei wem das Kind in diesem Moment bleiben solle. Sie hätten beide an der Tochter gezogen, dabei sei sie heruntergefallen. Er sei nicht gewalttätig: „Ich habe noch nie ein Kind geschlagen, noch nie eine Frau geschlagen.“

Angeklagter gilt als psychisch schwer krank

Um die Schuldfrage wird es im Prozess vor dem Schwurgericht natürlich auch gehen. Aber die Kammer hat bereits darauf hingewiesen, dass am Ende der Hauptverhandlung auch die Einweisung des Angeklagten in die geschlossene Psychiatrie stehen könnte.

Denn Mohamed D. gilt als psychisch schwer krank. Seit Anfang der 90er Jahre soll er an Depressionen leiden, an Paranoia. Auf Drängen seiner Familie ging er seitdem zu einer Psychiaterin, bekam auch Medikamente verordnet. Aber die soll er nur auf nachdrücklichen Hinweis der Familie genommen haben. Ohne ihr Wissen hatte er 2013 die jüngere Frau nach Deutschland gebracht. Sie soll nicht gewusst haben, dass er Medikamente nehmen musste.

 

EURE FAVORITEN