AWO will Anwältin der Bürger bleiben

Die Grundsteinlegung für das AWO-Seniorenzentrum 1983 mit Helmut Schmidt. Foto: Walter Buchholz
Die Grundsteinlegung für das AWO-Seniorenzentrum 1983 mit Helmut Schmidt. Foto: Walter Buchholz
Foto: WAZ FotoPool

Essen. Der mitgliederstärkste deutsche Kreisverband der AWO feiert sein 90-jähriges Bestehen am Samstag im Grugapark. Der demografische Wandel wird dafür sorgen, dass bei der AWO auch künftig zielgerecht angepackt werden muss.

„Wir können selbstbewusst und fröhlich feiern, aber natürlich sind auch Sorgen da“, sagt Michael Franz, seit 2000 Vorsitzender des Kreisverbandes Essen der Arbeiterwohlfahrt. Am Samstag, 19. Juni, feiert die AWO im Grugapark ab 14 Uhr ihr 90-jähriges Bestehen, mit einem Familienfest für alle Generationen.

Dann gibt es Aktivitäten und Angebote für und von Kindertagesstätten, Jugendarbeit, AWO-Bildungseinrichtungen bis hin zur Seniorenarbeit. Franz: „Wir wollen alle dabei haben.“ Über 4000 Voranmeldungen gibt es bereits, im Eintrittspreis von zwei Euro ist auch die Evag-Fahrt enthalten. Zum umfangreichen Programm zählen Margarita Turner & Friends, die Klassiker aus Oper und Operette präsentieren, die AWO-Chöre stellen ihre Ruhrpott Revue Songs vor, vom Steigerlied bis zur „Kleinen Bude“, und die Theatergruppe „Die Herbstzeitlosen“ zeigt ihre aktuelle Playback-Show und die Kita Haus-Berge-Straße ihr Musikprojekt „Der König der Farben“.

„Wir fühlen uns im Jubiläumsjahr gut aufgestellt“

Franz und seine Vorstandskollegen Günter Büsselberg, Klaus Johannknecht und Wolf Ambauer sind sich einig: „Wir fühlen uns im Jubiläumsjahr gut aufgestellt. In den letzten Jahren haben wir uns immer stärker zum Dienstleister gewandelt und wollen auch künftig weiter Anwalt der Bürger sein.“

Mit 8000 Mitgliedern in 32 Ortsvereinen ist die Essener AWO der stärkste Kreisverband in Deutschland. 1200 hauptamtliche Mitarbeiter sowie 1000 ehren- und nebenamtlich tätige Helfer betreuen flächendeckend rund 100 Einrichtungen im Stadtgebiet, darunter 20 Kindertagesstätten, sechs Pflegeheime, 20 Seniorenwohnanlagen, drei Bürgerhäuser sowie 48 offene Seniorentreffs und -clubs. Besonders stolz ist die AWO darauf, dass ihr Zwei-Säulen-Modell der haupt- und ehrenamtlichen Kräfte nach wie vor gut funktioniert.

Ihre Einrichtungen, so die AWO, seien durch die Bank gut ausgelastet. Kopfzerbrechen bereite der Pflegeheimbereich, der nicht mehr kostendeckend betrieben werden könne. Die AWO-Sprecher: „Die Pflegearbeit muss in der Gesellschaft mehr anerkannt werden. Obwohl wir auch selbst ausbilden, gibt es einen Fachkräftemangel. Es muss eine vernünftige Refinanzierung der Pflegekosten geben.“

Der demografische Wandel wird dafür sorgen, dass bei der AWO auch künftig zielgerecht angepackt werden muss. Der AWO-Vorstand: „Es geht um betreutes Wohnen und neue Wohnformen. Wir wollen, dass ältere Menschen so lange wie möglich in den eigenen vier Wänden bleiben können. Wir müssen noch mehr tun für eine familiengerechte Kinderbetreuung, auch über den Mittag hinaus. Eine Daueraufgabe bleibt die Modernisierung unserer Pflegeeinrichtungen.“

Bei einem Jahresetat von 50 Millionen Euro werde man weiterhin auf Spenden und die hauseigene Stiftung angewiesen sein, die jährlich 100 000 Euro ausschüttet. Von Essen aus soll am 1. Oktober ein bundesweites Signal gesendet werden, wenn auf Zollverein die AWO-Bundeskonferenz über die Zukunft des Sozialstaates diskutiert. Michael Franz über die Positionen der AWO: „Wir müssen immer professioneller werden, dabei aber unsere Mitglieder, die Ehrenamtlichen und die Grundwerte der Arbeiterbewegung stets im Auge behalten.“