Awo Essen prangert AfD-Mann Guido Reil als „rassistisch“ an

Foto: Knut Vahlensieck
  • Ausschlussverfahren gegen AfD-Mitglied Guido Reil: Schiedsgericht entscheidet noch in diesem Jahr
  • Awo-Geschäftsführer Oliver Kern vergleicht umstrittene Aussagen bei „Lanz“ mit „1933“
  • Arbeiterwohlfahrt in Essen: „Nicht nur Kaffeetrinken und Gemütlichkeit, wir sind auch für Politik zuständig“

Essen. Die Essener Arbeiterwohlfahrt rechnet im Fall Reil noch in diesem Jahr mit einer Entscheidung des Awo-Schiedsgerichts. Wie berichtet, will die Awo das langjährige Mitglied Guido Reil rauswerfen, seitdem dieser von der SPD zur AfD wechselte.

Auf einer Pressekonferenz erneuerte die Essener Awo-Spitze ihre Vorwürfe gegen den Karnaper Ratsherrn. „In der Talksendung ‘Lanz’ hat Guido Reil arabischstämmige Menschen pauschal als nicht integrierbar bezeichnet – das ist klar rassistisch“ betonte Awo-Geschäftsführer Oliver Kern, der seit einem halben Jahr im Amt ist. „Eine ganze Ethnie zu verunglimpfen, das hatten wir 1933 schon einmal“, fügte der Awo-Mann hinzu.

Essener Awo soll wieder politischer werden

In dieselbe Kerbe schlug am Dienstag auch die stellvertretende Kreisvorsitzende Judith Schlupkothen: „Die Art, wie Guido Reil auftritt und sich präsentiert, passt nicht zu uns.“ Der Essener Kreisvorsitzende Klaus Johannknecht berichtete von einem persönlichen Gespräch mit dem umstrittenen AfDler Reil. Die Begegnung sei keinesfalls aggressiv gewesen, sie habe aber die unüberbrückbaren Differenzen bestätigt.

„Die Positionen, die Guido Reil vertritt, sind nicht deckungsgleich mit den Grundwerten der Arbeiterwohlfahrt.“ Sollte sich das Schiedsgericht allerdings gegen den Rauswurf Reils entscheiden, werde man diese Entscheidung akzeptieren. Oliver Kern bekleidet seit sechs Monaten den Posten des Geschäftsführers. Unter ihm, das zeichnet sich längst ab, soll die Essener Awo wieder politischer und schlagkräftiger werden.

Festlegung auf den „freiheitlichen Sozialismus“

In drei Jahren wird die Arbeiterwohlfahrt auf ihr 100-jähriges Bestehen zurückblicken. Die Awo – eine von sechs Spitzenverbänden der Freien Wohlfahrtspflege in Deutschland – ist 1919 von der Sozialdemokratin Marie Juchacz gegründet worden. „Wir sollten stolz sein, dass die SPD die Awo vor 96 Jahren gegründet hat“, betont Oliver Kern.

Aus der programmatischen Festlegung auf den „freiheitlichen Sozialismus“ leitet der Geschäftsführer die Notwendigkeit ab, sich als Tendenzbetrieb von Rechtspopulisten, Nazis und Leuten, die Minderheiten missachten, scharf zu distanzieren.

Parteien müssten sich den Sorgen der Menschen annehmen

Angesichts des unerwarteten Wahlsieges von Donald Trump in den USA müssten sich die Parteien hierzulande verstärkt der Sorgen der Menschen annehmen. „Wer, wenn nicht wir, soll die Stimme erheben?“, sagte Kern, der prekäre Beschäftigungsverhältnisse und die hohe Kinderarmut in Essen tadelt. „Wir müssen den Menschen Arbeit geben, die sich lohnt.“

Klaus Johannknecht erinnert daran, dass der Essener Awo-Kreisverband (6500 Mitglieder, 1000 ehrenamtlich Aktive, 30 Ortsvereine und 1500 Festangestellte) der größte in Deutschland sei. „Wir sind nicht nur für Kaffeetrinken und Gemütlichkeit zuständig, sondern auch für Politik.“

 
 

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