Autoknacker-Bande fand Luxusautos auch vor dem Bordell

Stefan Wette
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Auf Luxusautos hatte sich eine Bande aus Essen spezialisiert. Zielsicher suchten die Diebe ihre Objekte aus, wurden auch vor einem Bordell fündig, wo ein 80 000 Euro teurer BMW auf sie „wartete“. Seit Donnerstag muss sich der mutmaßliche Kopf der Autodiebe vor dem Landgericht Essen verantworten.

Essen. Der Frillendorfer Rachid F. (38) nickt. Im Grunde stimme die Anklage, wenn auch nicht in allen Punkten. Vorgeworfen wird ihm vor der VII. Strafkammer, als Kopf einer Gruppe von Marokkanern Luxusautos gestohlen, sie in Bottrop in einer Halle deponiert und dann an einen Hehler verkauft zu haben. Selbst vor einem Bordell wurden sie fündig. Der BMW X6, den sie in der Hundebrinkstraße vor dem Sauna-Club „Penelope“ gestohlen haben, besaß laut Anklage einen Wert von 82 000 Euro.

Die Diebstahlserie liegt zwei Jahre zurück. Seit Anfang 2011 hatte die Essener Polizei gegen mehrere Gruppierungen von Autodieben ermittelt. Im Zentrum saß ein Hehler, der offenbar mehrere Diebesgruppen steuerte und sie auch mit dem technischen Know-How unterstützte. Er wurde bereits 2012 zu fünfeinhalb Jahren Gefängnis verurteilt, allerdings wegen seiner Rauschgiftgeschäfte.

Zehn Diebstähle

Rachid F. steht jetzt erst vor Gericht, will am nächsten Prozesstag detailliert aussagen. Zehn Diebstähle wirft die Anklage ihm vor. Manchmal gelangten sie fast problemlos an die Luxusautos. Etwa im Juni 2011, als sie beim Mercedes-Händler Lueg in Recklinghausen zwei Fahrzeugschlüssel stahlen. Die dazu passenden Autos, Gesamtwert 150 000 Euro, nahmen sie später mit. Sichergestellt wurden die beiden Fahrzeuge am 16. September 2011 auf dem Gelände am Südbahnhof in Bottrop. Dort fand die Polizei auch andere Autos, meist zwischen 50- und 80 000 Euro wert.

In anderen Fällen knacken sie die Wegfahrsperre. Den am 4. Oktober 2011 vor dem „Penelope“ geklauten BMW fährt Rachid F. laut Anklage zunächst einmal in die Niederlande. Neun Tage später klauen sie in Ratingen einen BMW X6, dessen Wert auf 100 000 Euro geschätzt wird. Allerdings werden sie dort von der Polizei auf frischer Tat ertappt. Rachid F. soll damals entkommen sein.