Auszeichnung für Tante Emma

Kettwig.  Um Unternehmerin des Jahres zu werden muss man nicht hinter einer Hochglanzfassade residieren. Ein paar Holzregale, eine Kaffeemaschine und eine gute Idee können reichen. So ging der Preis des Gesundheitsministeriums Nordrhein-Westfalen jetzt an eine Kettwiger Firmengründerin, die mit ihrem Tante-Emma-Laden an der Rheinstraße 2 eine Marktlücke für sich fand.

Der Edeka-Markt verschwand - unter einigem Murren der Anwohner - vor acht Jahren aus dem Nahversorgungszentrum. Einen Getränkemarkt gibt es, Gebäck kann man nach wie vor kaufen und ebenso Tabak und seinen Lottoschein besorgen. Womit das Zentrum nicht verödete – aber für den täglichen Einkauf zu wenig bot. „Dennoch haben wir lange überlegt, bevor wir den Mietvertrag unterschrieben haben“, sagt Renate Sobottka. Akribisch notierten sie und ihr Mann auf einer Strichliste, wie viele Kunden täglich das Zentrum anliefen. Dann entschieden sie: „Wir mieten das Ladenlokal. Vor uns war eine Eisdiele hier drin. Doch nachdem die weg war, stand der Laden drei Jahre leer.“

59 Quadratmeter Verkaufsfläche, damit kann sie sich kaum messen an den Auslagen großer Einzelhandelsketten. „Also haben wir das Sortiment den Kundenwünschen angepasst.“ Spüli, Kekse, Brotaufstrich. Doch das Herzstück des Ladens sind Frische-Theke und Obst- und Gemüseauslage. Und auch dort darf’s eher etwas weniger, denn mehr sein. „Gerade ältere Kunden wollen nicht ein ganzes Netz Kartoffeln kaufen, sondern nur zwei oder drei.“ Schon weil die Einkäufe sonst schwer werden auf dem Heimweg.

Frischer Wurstaufschnitt und Milch runden das Sortiment ab. Und dennoch: Reich sind Renate Sobottka und ihr Ehemann Klaus mit dem Laden noch nicht geworden. „Es kommen zwar mehr Kunden als wir gehofft hatten“, doch der Lebensunterhalt lasse sich allein durch den Laden nicht bestreiten. Zwar bringt der Preis Renommee – Kunden in Scharen treibt er nicht ins Geschäft.

Warum sie sich überhaupt beworben hat? „Ich wollte mir beweisen, dass ich das auch mit 50 noch mal schaffe“, sagt Renate Sobottka. Ein Konzept reichte sie ein, stand vor einer Jury mit acht Wirtschafts- und Einzelhandels-Experten, um Prüfungsfragen zu beantworten. „Das war schon schwierig und hat mich Nerven gekostet. Aber ich bin stolz, dass ich es geschafft habe.“ Und den Rest, den schaffe sie jetzt auch noch.

 
 

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