Ausländerinnen grundlos beleidigt

Stefan Wette
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Ein Ehepaar aus der rechten Szene hatte Ausländerinnen beleidigt und den Arm zum Hitlergruß erhoben. Dafür verurteilte das Amtsgericht die beiden.

Essen. Rechts stehend wollen sie nicht sein, mit dieser Szene hätten sie heute nichts zu tun. Aber dafür nutzten sie das Vokabular dieser Szene und beleidigten andere Menschen. Dafür bestrafte Amtsrichterin Eva Proske ein Ehepaar und verurteilte den 42-jährigen zu acht Monaten Haft mit Bewährung, seine vier Jahre ältere Frau bekam zwei Monate weniger, ebenfalls zur Bewährung.

Eine dritte Angeklagte, 35 Jahre alt, bekam lediglich wegen Diebstahls einer Whiskyflasche eine kleine Geldstrafe. Laut Anklage hatte sie gemeinsam mit dem Ehepaar und einem bereits verstorbenen Mitangeklagten einem anderen Mann gegen dessen Willen eine Glatze rasiert. Aber dafür reichten der Richterin die Beweise nicht aus, zu sehr wich die Aussage des mutmaßlichen Opfers von früheren Angaben bei der Polizei ab.

Aber es reichte ja auch so, um ein rechtes Milieu zu erhellen, das sicher nicht zur straff organisierten Szene gehört. Richterin Proske erinnerte an den im April verstorbenen Mitangeklagten, der stark von Drogen abhängig war und dessen Rücken ein eintätowiertes Hakenkreuz zur Schau stellte.

Mittellfinger ausgestreckt

Er soll auch der Haupttäter beim ersten Anklagepunkt sein. Da sollen das Ehepaar und er am 21. August 2014 auf der Holsterhauser Straße zwei Frauen aus Sri Lanka grundlos beleidigt haben. „Ihr seid keine Deutsche“, hätten sie gerufen. Und: „Schwarze Hure“, begleitet vom ausgestreckten Mittelfinger. Schließlich ein „Haut ab, geht nach Hause.“

Der Richterin fiel es nicht schwer, die Fragwürdigkeit anzusprechen: „Was soll das bedeuten? Nach Hause gehen? Die Frau lebt doch seit 20 Jahren in Deutschland.“

Für diese Beleidigungen zog das Gericht nur die 45-Jährige zur Verantwortung. Bei ihrem Mann sprach einiges dafür, dass er schon weggegangen war. Dafür räumte er den Besitz eines Würgeholzes ein, das bei ihm gefunden worden war. Und er hätte auch am 6. Oktober 2014 bei einem Polizeieinsatz in seiner Wohnung wegen Ruhestörung falsch reagiert. Da hatte er sich in Anwesenheit der Beamten über die „scheiß Kanaken“ in der Nachbarschaft aufgeregt, derentwegen er die Musik leiser stellen müsse. Mit einem „Sieg Heil“ schloss er die Schimpftirade ab.

Da sei er betrunken gewesen und erinnere sich nur schwach. Mittlerweile will das Ehepaar, das jetzt getrennt lebend in einem kleinen Dorf im Südwesten wohnt, mit Alkohol und rechten Sprüchen nichts mehr zu tun haben.