Ausbildung in letzter Minute

Die Schlange vor dem Schalter der Arbeitsagentur reißt nicht ab. Viele junge Menschen warten darauf, ihre Stellenangebote ausgedruckt zu bekommen – die haben sie sich zuvor selbst auf der Last-Minute-Ausbildungsbörse der Arbeitsagentur ausgesucht.

16 Arbeitgeber zeigten den Jugendlichen gestern, wo sie zum 1. August oder 1. September noch eine Ausbildung beginnen können – und vor allem: in welchen Berufen. Über 300 anonymisierte Angebote hingen aus – eine kleine Auswahl. Insgesamt stehen 2800 Bewerber etwa 2400 offenen Stellen gegenüber. „Wir haben nur die Stellenbeschreibung, den Schulabschluss und sonstige Fähigkeiten auf die Ausschreibungen geschrieben“, sagte Katja Hübner, Sprecherin der Arbeitsagentur. Anonym deshalb, weil viele Jugendliche Vorbehalte gegenüber manchen Arbeitgebern hätten. „Manche wollen beispielsweise nicht in der Firma ihrer Eltern arbeiten“, so Hübner. Am Schalter konnten sie sich dann alle wichtigen Informationen ausdrucken lassen.

Zusammenarbeit mit Nachbarn

Dabei arbeitete die Essener Arbeitsagentur mit der Oberhausener und Mülheimer Behörde zusammen – sie luden über 2400 Schüler ein. „Wir zeigen damit, dass die Städte für junge Menschen enger zusammen rücken“, sagte Jürgen Koch, Geschäftsführer der Agentur für Arbeit Oberhausen und Mülheim. Wichtig sei aber auch, dass Jugendliche sich nicht auf ein Feld festfahren. „Viele Jugendliche wissen gar nicht, welche Berufe es alles gibt“, sagte Rolf Heiber, Geschäftsführer der Arbeitsagentur Essen. Auf der Börse bekämen sie einen guten Überblick. „Nicht jeder bekommt seinen Traumausbildungsplatz. Wir möchten daher auch Alternativen aufzeigen.“

Für eine gute Bewerbermappe sorgte die Industrie- und Handelskammer zu Essen. Stefanie Richter schaute sich am Stand der IHK die Mappen genauer an und gab Tipps: „Ich habe bis jetzt relativ gute Bewerbungsunterlagen gesehen. Oft sind Zeugnisnoten das Problem oder Lücken im Lebenslauf.“ Doch auch für Schüler mit weniger guten Noten gibt es Möglichkeiten. So biete das Handwerk eine große Vielfalt sowie Abwechslung und tolle Perspektiven, betonte Ulrich Meier, Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Essen.

„Veranstaltungen wie diese sind wichtig, um den Jugendlichen aufzuzeigen, welche Möglichkeiten sie noch haben“, sagte Koch. Junge Menschen benötigten einen Anstoß, den sie in den Familien nicht immer bekämen.

Die Jugendlichen nahmen das Angebot gerne an. „Man weiß ja sonst gar nicht, was es alles für Möglichkeiten und Berufe gibt“, sagte Laura von Tanin (20). Auch die städteübergreifende Kooperation wurde gelobt: „Ich wohne in Oberhausen, aber da Essen und Mülheim recht nah sind, finde ich gut, auch aus diesen Städten Angebote zu bekommen“, sagte Samantha Richmann (17). Die Schlangen hielten sie nicht davon ab, sich beraten zu lassen. Das konnten auch die anwesenden Betriebe bestätigen. Viele haben den ein oder anderen Bewerber gefunden, der in die engere Auswahl kommt.

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