Ausbau der Radwege in Essen kommt nur schleppend voran

An Routen für Freizeitradler mangelt es in Essen nicht. Der Ausbau des innerstädtischen Radwegenetzes stockt dagegen.
An Routen für Freizeitradler mangelt es in Essen nicht. Der Ausbau des innerstädtischen Radwegenetzes stockt dagegen.
Foto: WAZ FotoPool/ Ralf Rottmann
Die Stadt Essen will den Anteil der Fahrradfahrer am Straßenverkehr bis 2020 verdoppeln. Es fehlt aber an alltagstauglichen Routen im Radwegenetz. Im Freizeitbereich geht es dagegen voran. So will der städtische Eigenbetrieb Grün & Gruga pünktlich zum Start der Radsaison die Tal-Route im Essener Nordwesten bis Haus Ribshorst in Oberhausen eröffnen.

Essen, die Fahrradstadt – am Wochenende konnte dieser Eindruck aufkommen. „An schönen Tagen wimmelt es vor Radlern“, sagt Jörg Brinkmann, Vorsitzender des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC) Essen. Was ihm Sorge mache, sei der schleppende Ausbau des Radwegenetzes jenseits der Freizeitrouten. „Zwar ist der Anteil des Radler im Straßenverkehr gestiegen, mit fünf Prozent liegt er aber noch sehr niedrig.“

Essens Straßennetz verfügt über gut 109 km Radwege – die Freizeitradrouten sind 150 km lang. Baudezernentin Simone Raskob räumt ein, „dass wir mehr alltagstaugliche Radwege brauchen“. In der Bewerbung für den Titel Grüne Hauptstadt hat sie ehrgeizige Ziele formuliert: Bis 2020 soll der Anteil des Radverkehrs auf 11 Prozent steigen, bis 2035 auf 25 Prozent. „Im jetzigen Tempo wird das aber nicht klappen“, entgegnet Brinkmann. Er vermisse konkrete Vorhaben.

25 km neue Radwege gebaut

Die gibt es, doch fallen die Großprojekte erneut in den Freizeitbereich. So will der städtische Eigenbetrieb Grün & Gruga pünktlich zum Start der Radsaison einen neuen Rad- und Wanderweg eröffnen: Die Tal-Route im Essener Nordwesten führt durch das Winkhauser Tal bis zur Aktienstraße und von da weiter durchs Hexbachtal bis Haus Ribshorst in Oberhausen. Das sechs Kilometer lange Trassenstück an der Grenze zwischen Essen, Mülheim und Oberhausen ist seit 2013 im Bau und ein weiteres Puzzleteil von „Neue Wege zum Wasser“. Unter diesem Slogan erschließt die Stadt seit 2007 Grünzüge entlang von Bachläufen für Radfahrer und Spaziergänger. 25 km Radwege wurden in Kooperation mit Ruhrverband und Emschergenossenschaft gebaut, weitere 25 km erneuert, diverse Grünanlagen – insgesamt 15 Hektar groß – wurden aufgehübscht, Gewässer entschlammt oder neu angelegt wie der Niederfeldsee in Altendorf.

Ende April, Anfang Mai will Grün & Gruga die Tal-Route freigeben. Weitere Trassen sind für 2014 geplant. Oben auf der Agenda ist eine Route vom Ruhrtal bis zum Mechtenberg in Kray mit Anbindung von Stoppenberg und Schonnebeck über die Kray-Wanner-Bahntrasse. Auch der lang geplante Radweg durchs Kupferdreher Deilbachtal bis Velbert soll endlich gebaut werden – vorausgesetzt, der Ruhrverband erneuert seine Brücke über den Deilbach.

Alles weitere hänge von den Haushaltsberatungen im Rat ab, heißt es bei Grün&Gruga. 300.000 Euro trägt der Eigenbetrieb. Eine weitere Million kommt aus dem Sozialetat, da das Projekt so angelegt ist, dass Langzeitarbeitslose von beteiligten Handwerksbetrieben qualifiziert werden. Ende 2013 drohte den Neuen Wegen gar kurzzeitig das Aus, weil der Kämmerer – um die Haushaltskonsolidierung bemüht – auf der Bremse stand.

 
 

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