Aus für Bankfiliale am Wasserturm

Michael Heiße
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Steele.  . In diesen Tagen präsentiert Reinhard Frost sein Buch „Wo Macher Zukunft gestalten“ in Köln. Nun mag der Name des Autors nicht jedem gleich geläufig sein. Das Thema seines reich bebilderten Bandes jedoch umso mehr: 100 Jahre Deutsche Bank an Rhein und Ruhr. Ein Grund zum Feiern? Nicht für Joachim von Behr. Seit über 50 Jahren ist er Kunde der Deutschen Bank in Steele und war bislang „immer sehr zufrieden mit dem Service vor Ort“, wie er sagt. Dies hat sich allerdings nun geändert.

Von Behrs Ärger begann schon vor rund zwei Jahren, als das Personal der Bank vom Standort an der Steeler Straße 145, ganz in der Nähe des Steeler Wasserturms, in die Filiale an der Lindenallee integriert wurde. „Zumindest die Geldautomaten und die Servicestationen sind geblieben“, erinnert sich von Behr. Eine solche Service-Lounge war auch dringend notwendig, denn bis zur Nachbarfiliale sind es immerhin zwei Stationen mit dem Bus, und der Standort Kray satte fünf Kilometer entfernt. „Viel zu weit für die meisten älteren Kunden, die auf einen Rollator angewiesen sind, also nicht immer im ausreichenden Maße mobil sein können“, wie der Senior erklärt.

Dementsprechend irritiert war Joachim von Behr, als er unlängst das Poster der Deutschen Bank sah, mit der Ankündigung, der Steeler Straße endgültig den Rücken kehren zu wollen. Am 23. April wird die Filiale aufgegeben, den Kunden als Alternativen die Commerzbank, Postbank und auch die HypoVereinsbank empfohlen, die mit der Deutschen Bank eine so genannte Cash group bilden. „Doch alle diese Filialen befinden sich mindestens anderthalb Kilometer weit weg oder in der Essener City“, ärgert sich von Behr.

Bislang sei er mit dem Service des Geldunternehmens immer zufrieden gewesen. „Die haben sogar ab und zu Befragungen durchgeführt, was man denn verbessern könnte im Umgang mit dem Kunden“, sagt er. „Doch jetzt die Service-Lounge dicht zu machen, ist einfach unmöglich.“ Zumal es doch gerade auf der Steeler Straße einige leer stehende Ladenlokale gebe, die die Bank nutzen könnte. „Das hat die Nationalbank, kam 50 Meter von der Deutschen Bank-Filiale entfernt, ja auch so gemacht“, wie von Behr sagt.

Till Keulen, Regionsleiter Privatkunden Ruhrgebiet/Münsterland der Deutschen Bank, zeigt für den Ärger des treuen Kunden zwar Verständnis, bittet jedoch im gleichen Atemzug um selbes für die Entscheidung der Bank: „Wir haben uns aus geschäftspolitischen Gründen für diese Maßnahme entschlossen.“ Da der Mietvertrag an der Steeler Straße nun ausläuft, sei der Termin umunstößlich.

Natürlich sei ihm, so Keulen weiter, die Kritik der Kunden nicht gleichgültig. „Schon deshalb bieten wir an, beispielsweise kostenfrei Kontoauszüge des letzten Quartals zu verschicken.“ Ferner sei eine persönliche Beratung in der Filiale Lindenallee jederzeit möglich. „In schwierigen Fällen ist auch eine Beratung Zuhause oder am Arbeitsplatz möglich“, erklärt Regionsleiter Keulen. „Zudem sind wir über Telefon- und Onlinebanking rund um die Uhr erreichbar.“