Aus dem Baby-Blog einer Essenerin ist nun ein Buch geworden

Berit Hullmann mit ihrem Buch „Möhrchen-Massaker“, in dem sie Schwangerschaft, Geburt und Babys erstes Jahr beschreibt - immer ironisch-trocken, nie betulich.
Berit Hullmann mit ihrem Buch „Möhrchen-Massaker“, in dem sie Schwangerschaft, Geburt und Babys erstes Jahr beschreibt - immer ironisch-trocken, nie betulich.
Foto: O.H.
  • Die Autorin schrieb zunächst unter dem Motto „Babyleaks“ einen Mütter-Blog
  • Der fand bundesweit Beachtung, auch durch lobende Erwähnung der „Brigitte Mom“-Redaktion
  • Das „Möhrchen-Massaker“ ist jetzt das entsprechende Buch dazu

Essen.. Wie schmerzhaft ist die Geburt? „Ich fühlte mich, als hätte jemand eine Bombe in meinem Unterleib gezündet“, beschreibt Berit Hullmann ihre erste Wehe. Dabei habe ihre eigene Mutter immer von „positiven und produktiven Schmerzen“ gesprochen, die durchaus auszuhalten seien. „Schon bei der ersten Wehe wusste ich: Sie wollte sich rächen. Oder einfach nur ein Enkelkind.“ Es gibt Situationen, da hilft nur Galgenhumor. Ein Leben mit Kindern ist voll davon. Die 34-Jährige Journalistin aus Rüttenscheid, die viele Jahre als Sprecherin für den Essener Unternehmensverband EUV gearbeitet hat, hat ein Buch darüber geschrieben: „Das Möhrchen-Massaker – eine Mama packt aus.“

Mit Büchern von jungen Vätern oder Müttern, die die dramatisch große Anzahl neuer Eindrücke humoristisch verarbeiten, ist es so eine Sache. Nicht wenige rutschen ab vom Kitsch ins Betuliche und damit Langweilige; andere können sich von der Faszination fürs erste eigene Kind kaum freimachen und verlieren dabei ihren Leser aus dem Blick.

Babys erster Mittagsschlaf im Director’s Cut

Es ist so ähnlich wie mit den Fotos und Videos, die manche junge Eltern herumzeigen: 30 Minuten Babys erster Mittagsschlaf im Director’s Cut ohne Schnitt: „Guck’ mal, wie süß sie seufzt!“ Nun ja.

Um’s kurz zu machen: Alle diese Fehler macht Berit Hullmann nicht. Der Journalistin, die einst zur Frida-Levy-Gesamtschule in der Innenstadt ging, als diese noch „Gesamtschule Mitte“ hieß, gelingt die Kunst, trotz aller Rührung humorvoll zu bleiben, im besten Sinne britisch – immer ironisch, manchmal sarkastisch, eben bis zum Galgenhumor.

So könnte das „Möhrchen-Massaker“ auch gut und gerne das Drehbuch zu einer guten Comedyserie sein, die sich dem Thema „Kinder bekommen“ widmet; wir erleben Protagonistin Hanna und ihren Freund Tom während der Schwangerschaft, der Geburtsvorbereitung bis hin zur Niederkunft und Babys erstem Geburtstag.

Der Wahnsinn

Was Berit Hullmann beschreibt, ist der Wahnsinn, der losgeht, sobald sich ein Kind ankündigt: Alle, die Eltern werden, wollen es richtig machen, schon lange vor der Geburt. Nur: Wie geht das? Es fängt bei der Wahl des Kinderwagens an und hört nicht auf bei der umstrittenen Frage, ob Säuglinge und Kleinkinder geimpft werden sollen. „Ich hätte nicht gedacht“, sagt die Autorin heute, „dass es um so viele Themen rund ums Kind so viele Diskussionen gibt, und zwar todernste.“ Nicht selten sind es „Supermütter“, die dabei den Ton angeben; sie sitzen in so gut wie allen Wickel-, Pekip- und Babymassage-Kursen. Dort, bei der Massage, geben sie sich natürlich nicht mit 08/15-Massage-Öl aus dem Drogeriemarkt ab, sondern sagen Sachen wie: „Ich hab’ mein eigenes Öl dabei, habe ich in der Apotheke anmischen lassen, aus Mandel-und Weizenkeimöl, soll das beste sein.“ Berit Hullmann möchte dieser Super-Mutti gern eine volle Champagnerflasche an den Kopf knallen, aber natürlich nur gedanklich. In Wahrheit denkt sie längst darüber nach, wie sie Beikostkochkurs und musikalische Früherziehung für Säuglinge terminlich unter einen Hut kriegen soll. Beziehungsweise: Ob das eigentlich alles wirklich sein muss.

Das Buch hat einen digitalen Vorläufer; während des Mutterschutzes fing Berit Hullmann an, unter dem Titel „Babyleaks“ einen privaten Blog im Internet zu verfassen. Darauf wurde die Redaktion der Hamburger Zeitschrift „Brigitte Mom“ aufmerksam; „Babyleaks“ fand schließlich bundesweit Beachtung. Also war es eine professsionelle Literatur-Agentin, die irgendwann auf Berit Hullmann zukam und sie zu dem Buch-Projekt ermutigte. „Es ist eigentlich“, sagt sie, „ein Zufalls-Produkt.“ Zufälle führen ja manchmal zu den besten Ergebnissen.

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