Auf der Suche nach der Sitzordnung

Die künftige Sitzordnung im Essener Rat bleibt erst mal unklar.
Die künftige Sitzordnung im Essener Rat bleibt erst mal unklar.
Foto: WAZ FotoPool
Die Stadt bereitet sich auf das erste Treffen des neuen Rates vor. Dabei gibt’s einige Unwägbarkeiten. Der NPD-Rentner hat sein Mandat nicht angenommen, die AfD hat sich pulverisiert. Dennoch gibt’s Proteste

Essen. Es ist ein bisschen wie bei einer großen Party mit nahen und fernen Verwandten und solchen potenziellen Sitznachbarn, mit denen absehbar niemand warm werden wird: Sind die Einzuladenden ausgewählt, weiß man noch lange nicht, wer am Ende kommen wird, wer wen besser oder schlechter kennt, wem ganz kurzfristig schlecht wird, wer zu wem passt, wer mit wem kann oder eben auch gar nicht. Eine durchdachte Sitzordnung, die durchaus vor unliebsamen Überraschungen schützen kann, gilt in solchen Fällen als lagerlogistische Herausforderung.

Was für bestuhlte Aufeinandertreffen aller Art zutrifft, gilt im Übrigen auch für den Essener Rat. Das städtische Amt für Ratsangelegenheiten arbeitet in diesen Tagen deshalb intensiv an einer Platzverteilung, mit der alle Anwesenden ab der ersten Sitzung am 18. Juni am besten leben können. Letztlich entscheidet der Oberbürgermeister, wen er mitten vor seiner Nase im Blick haben möchte, welche politische Couleur rechts oder links von ihm Platz nehmen wird und welche optischen Gräben zwischen den Reihen zu vertreten sind. Spielraum jedenfalls gibt’s zwischen politischem An- und gewünschtem Abstand zu den Rechtsauslegern.

Genug Sitzungs-Sessel

Denn auch wenn der neugewählte Rat acht Mitglieder mehr hat – es sind mehr als genug Sitzungs-Sessel für die Ratsfrauen und -herren vorhanden. Und – wie schon erwähnt – bleibt der ein oder andere ja auch ganz zu Hause: Wie der Rentner Hans-Joachim Gottschalk zum Beispiel, der für die NPD in den Rat gewählt wurde, sein Mandat aber gar nicht erst angenommen und dies der Stadt mitgeteilt hat. Wer nun für den rechten Spitzenkandidaten nachrückt, war bis gestern völlig unklar. Dazu muss die NPD aus dem Quark kommen, was sie bislang allerdings nicht getan hat.

Ebenfalls keine Informationen über ein künftiges Engagement im Rat liegen der Stadt von Janina Herff vor, die bekanntlich einen Tag nach der Kommunalwahl erklärt hatte, dass sie der Ratsfraktion Die Linke, für die sie angetreten war, zunächst nicht beitreten wolle.

Es wird wahrscheinlich laut im Rathaus

Komplett pulverisiert hat sich mittlerweile die Alternative für Deutschland, die als Trio in den Rat gewählt wurde. Die Fraktion hat sich inzwischen in drei Einzelvertreter gesplittet, von denen einer, Menno Aden, inzwischen aus der Partei ausgetreten ist. Gegen Marco Trauten, den anderen, läuft ein Parteiausschlussverfahren wegen eines Nazi-Vergleichs. Und von dem dritten im einstigen Bunde, Jochen Backes, ist nichts mehr zu hören.

Dennoch wird’s am kommenden Mittwoch mutmaßlich laut am Rathaus: Die Linksjugend Ruhr hat gestern bei der Polizei eine zweistündige Kundgebung gegen Rechtspopulisten angemeldet, bestätigte Polizeisprecher Marco Ueberbach auf Nachfrage. Wie die Behörde damit umgehe, sei noch offen. Zumal der Kreis der Protestler durchaus noch wachsen könnte: Auch „Die Partei“ plant Aktionen und das Bürgerbündnis „Essen stellt sich quer“ hat am gestrigen Abend beraten, wie man sich aufzustellen gedenkt.

Also: Mal abwarten, wer noch kommt. Manchmal sind einem die nicht angemeldeten Gäste ja die liebsten.

 
 

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