Auf alten westfälischen Spuren im rheinischen Essen

Dieter Bonnekamp vom Heimat- und Burgverein Burgaltendorf steht an der alten Landesgrenze. Die Konditorei „Ruhrblick“ steht im Rheinland, das Lokal „Zur schönen Aussicht“ gleich nebenan im alten Westfalen.
Dieter Bonnekamp vom Heimat- und Burgverein Burgaltendorf steht an der alten Landesgrenze. Die Konditorei „Ruhrblick“ steht im Rheinland, das Lokal „Zur schönen Aussicht“ gleich nebenan im alten Westfalen.
Foto: FUNKE Foto Services
  • Die östlichen Stadtteile Burgaltendorf, Horst und Freisenbruch gehörten einst zu Westfalen
  • Erst durch die Eingemeindungen 1929 und 1970 kamen die Kommunen zum rheinischen Essen
  • Heimatforscher Dieter Bonnekamp, ein Westfale, wurde ohne Ortswechsel Rheinländer

Essen.. 70 Jahre nach der „Operation Marriage“ feiert das Bindestrichland heute Geburtstag. Politisch gehört Essen zum Rheinland. Doch der Blick in die Geschichte zeigt, dass stolze Stadtteile wie Burgaltendorf, Horst und Freisenbruch einst zu Westfalen gehörten und ihre Bewohner erst durch verschiedene Eingemeindungen zu Rheinländern wurden.

Dieter Bonnekamp, der langjährige Vorsitzende des Heimat- und Burgvereins Burgaltendorf, steht auf der Überruhrstraße zwischen dem Café Ruhrblick und dem Lokal „Zur schönen Aussicht“. „Letzteres steht in Burgaltendorf und somit im alten Westfalen, das andere im rheinländischen Überruhr“, lächelt der alteingesessene Burgaltendorfer. Der Fußweg hinunter zur Charlottenstraße markiere exakt die Grenze. Nicht weit davon entfernt kam er zur Welt.

Etliche Stürme gingen im Laufe der Jahrhunderte über den Landstrich, der sich heute „Stadt Essen“ nennt. Ob Kriege oder Eroberungen, ob Eheschließungen von Edelleuten oder die Kommunalreformen der Neuzeit: Mal trennten sie, mal fügten sie Gebiete zusammen.

„Ohne Ortswechsel bin ich vom Westfalen zum Rheinländer geworden“, erklärt Bonnekamp und fügt die Begründung hinzu. Die alte westfälische Gemeinde Altendorf an der Ruhr, sein Geburtsort, sei am 1. Januar 1970 nach Essen/Rheinland eingemeindet worden – so wie fünf Jahre später Kettwig. Auch Horst-Eiberg und Freisenbruch seien einst westfälisch gewesen, aber schon in den 1920er Jahren eingemeindet worden. „Burgaltendorf war immer Westfalen, im Mittelalter gehörte es zur Grafschaft Mark, 1609 fiel es an den Kurfürsten von Brandenburg und somit an die Hohenzollern.“

Dellmannsweg hieß einst Grenzweg

Ein paar hundert Meter von der „Schönen Aussicht“ entfernt verläuft der Dellmannsweg. „Der Dellmannsweg führt durch Burgaltendorf und Überruhr und nannte sich in Burgaltendorf früher Grenzweg“, weiß Bonnekamp zu berichten. Grenzweg – ein weiteres Indiz für die historische Trennung von Rheinland und Westfalen.

Nebenan in Byfang lebt Willi Stötzel (Jahrgang 1926), ein echtes Original, dessen Muttersprache in der Kindheit Plattdeutsch war. Einer, der seinen Ortsteil kennt wie die eigene Westentasche. Deshalb weiß er exakt die Pfade zu benennen, die das rheinische Byfang vom westfälischen Burgaltendorf trennten. „Der Reiterverein ist noch in Byfang, hundert Meter weiter beginnt schon Westfalen.“

Rheinische Frohnatur kontra westfälischer Dickschädel, Kölsch gegen Pumpernickel. Spürt man entlang der alten Grenze eigentlich noch Unterschiede? Dieter Bonnekamp schüttelt den Kopf. „Die Grenzen sind früher willkürlich gezogen worden, Sprach- und Mentalitätsunterschiede markieren sie deshalb nicht.“ Eine Aussage, die Willi Stötzel aus eigener Erfahrung bestätigen kann. „Ich bin Byfänger, aber mein Vater Wilhelm und meine Frau Marianne sind Burgaltendorfer. Die Menschen haben sich immer gut vertragen.“ Womöglich hat die Kirche daran einen nicht gerade geringen Anteil. „Egal ob Rheinländer oder Westfale, gebetet haben die Byfänger und Burgaltendorfer ja gemeinsam in St. Mauritius in Niederwenigern“, lächelt Dieter Bonnekamp.

 
 

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