Atos-Mitarbeiter fühlen sich abgespeist

Flashmobaktion der IG Metall vor dem IT-Unternehmen Atos in Essen. Grund: Das Unternehmen will die Tarifsteigerung nicht weitergeben. Mittwoch der 11.05.2016 Foto: Kerstin Kokoska / Funke Foto Services
Flashmobaktion der IG Metall vor dem IT-Unternehmen Atos in Essen. Grund: Das Unternehmen will die Tarifsteigerung nicht weitergeben. Mittwoch der 11.05.2016 Foto: Kerstin Kokoska / Funke Foto Services
Foto: Essen
  • Geschäftsführung will das zweite Mal in Folge vom Tarifvertrag abweichen
  • Belegschaft soll 2016 deutlich weniger bekommen
  • IG Metall verteilt symbolisch Äpfel und Eier an die Mitarbeiter

Essen,. Für die Essener Atos-Mitarbeiter gab es am Mittwoch zu Beginn der Mittagspause von der IG Metall einen Apfel und ein Ei. Die Gewerkschaft wollte mit ihrer Aktion vor dem Firmengebäude in Rüttenscheid die Belegschaft nicht etwa auf ein karges Ergebnis in der laufenden Tarifrunde einstimmen. Sondern das schmale Mittagsmahl stand sinnbildlich dafür, wie nach Meinung der Gewerkschaft die Atos-Geschäftsführung ihre Mitarbeiter derzeit abspeisen will.

Seit einigen Wochen schon hängt zwischen IG Metall und Atos-Management der Haussegen schief. Dabei gibt es die Ehe auf dem Papier eigentlich erst seit drei Jahren. Damals nämlich stimmten die Arbeitgeber in der Informationstechnik-Branche zu, dass sie künftig dem Tarif in der Metall- und Elektrobranche folgen wollen. Doch schon letztes Jahr nutzte das IT-Unternehmen Atos eine Klausel, mit der es vom Tarifvertrag abweichen konnten. Statt allen Beschäftigten die laut Tarif vereinbarten 3,4 Prozent mehr Gehalt zu zahlen, bekamen diese nur die Mitglieder der IG Metall. Rund die Hälfte der Belegschaft, so schätzt der Betriebsrat schauten in die Röhre. Den Kompromiss akzeptierten Gewerkschaft und Betriebsrat zähneknirschend mit der Maßgabe, die Zahlung für alle Mitarbeiter dieses Jahr nachzuholen. Doch laut dem Essener Atos-Betriebsrat Gerd Nickel warten die Beschäftigten bis heute darauf.

Nicht nur das: Nun hat sich der Konflikt parallel zur gerade laufenden Tarifrunde in der Metall- und Elektroindustrie zugespitzt. Während die Gewerkschaft für fünf Prozent höhere Löhne kämpft, hat Atos in Verhandlungen mit der Gewerkschaft für dieses Jahr 0,5 Prozent angeboten. „Nun aber droht für alle eine Nullrunde“, sagt Nickel, weil das Management Einsparungen in gleicher Höhe angekündigt habe. Sauer stößt den Mitarbeitervertretern in dem Zusammenhang auch auf, dass Atos für 2015 an seine Aktionäre eine 38 Prozent höhere Dividende angekündigt hat. Nickel ärgert das: „Und wir sollen so gut wie nichts bekommen? Das ist erst recht ungerecht.“

Ein Sprecher von Atos Deutschland wollte sich mit Verweis auf die laufenden Verhandlungen zum schwelenden Konflikt nicht äußern.

120 Tüten verteilt

Das Münchner IT-Unternehmen Atos beschäftigt in Essen mehr als 500 Mitarbeiter. Über hundert von ihnen holten sich den Apfel und das Ei vor der Eingangstür ab, und setzten so ein Zeichen des Protests. Aus Sicht der IG Metall ein „beachtlicher“ Erfolg, dass sie alle mitgebrachten 120 Tüten an den Mann und die Frau brachte. „Dass sich Ingenieure organisieren, ist noch immer eher ein Novum“, sagte IG-Metall-Sekretär Alfons Rüther. Normalerweise lösten IT-Leute ihre Probleme lieber selbst.

Die Aktion der IG Metall am Mittwoch war erst der Auftakt. Nächste Woche werden die Essener Atos-Mitarbeiter zum Warnstreik aufgerufen.

 
 

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