Asyl-Welle in Essen ebbt wieder etwas ab

Jörg Maibaum
Das ehemalige  Übergangswohnheim an der Altendorfer Straße.
Das ehemalige Übergangswohnheim an der Altendorfer Straße.
Foto: WAZ

Essen. 96 der rund 200 ausreisepflichtigen Roma haben Essen in diesem Frühjahr aus eigenem Antrieb bereits verlassen. Am dem früheren Asylstandort Bockmühle soll sich die „Finca & Bar Celona“ ansiedeln. Dennoch muss Essen weitere Asylflächen vorhalten.

Sie gehen, wie sie gekommen sind – freiwillig und legal: 96 der rund 200 ausreisepflichtigen Roma haben Essen in diesem Frühjahr aus eigenem Antrieb bereits verlassen, nachdem ihr ausländerrechtliches Verfahren abgeschlossen und der Abschiebestopp des Innenministers am 31. März ausgelaufen war. Für 102 weitere Personen werden zurzeit Passersatzpapiere beschafft, um ihnen eine Ausreise zu ermöglichen. Vermutlich werden auch sie einer Abschiebung mit dem Flugzeug zuvorkommen, die eine legale Wiedereinreise nahezu unmöglich machen würde.

Vor dem Hintergrund dieser Entwicklung entspannt sich die Situation in den Übergangsheimen merklich. Mussten im Januar 544 Menschen an zehn Standorten im Stadtgebiet untergebracht werden, waren es zum 30. April rund 100 weniger, geht aus einer Statistik der Stadt hervor. Es ist wohl fürs Erste vorbei mit der Enge: Die Flüchtlingsbetreuer können ihre Büroräume in den Unterkünften wieder beziehen, es gibt Platz für Hausaufgabenhilfen, und die Stadt kann es sich wieder erlauben, Rücksicht auf eine Unterbringung nach Ethnien zu nehmen, um Konflikte zu vermeiden – was für Bewohner und Anwohner gleichermaßen von Vorteil sein dürfte.

Bezirksregierung Arnsberg geht von weiter steigenden Flüchtlingszahlen aus

Im Rathaus hat man schon mal nachgerechnet: Rund 2,17 Millionen Euro wird die Stadt in diesem Jahr wohl mehr bezahlen müssen an Asylkosten, als die Finanzexperten veranschlagt hatten: insgesamt 13,4 Millionen Euro. Ob’s dabei bleibt, ist offen: Die Bezirksregierung Arnsberg geht von weiter steigenden Flüchtlingszahlen aus, auch wenn die Visafreiheit für Albanien und Herzegowina bislang noch nicht zu einer merklich höheren Zahl von Asylsuchenden geführt hat. Eine mögliche Erklärung: Viele Menschen dürften noch auf einen Reisepass warten, damit sie als Touristen in die EU einreisen können. Auch bei den Roma aus Serbien und Mazedonien dauerte es ein halbes Jahr, bis die ersten nach der Visafreiheit nach Essen kamen.

Deshalb tut die Stadt nach Meinung des Innenministers gut daran, ausreichend Platz für die Menschen vorzuhalten. Zehn Asylunterkünfte von ehemals 35 gelten auf Sicht als unverzichtbar. Sechs frühere Standorte hat die Stadt inzwischen vermarkten können, was rund 3,9 Millionen Euro Nettoerlös einbrachte. Weitere zwölf Grundstücke erscheinen geeignet, um sie ebenfalls an Investoren zu bringen: Frankenstraße, Garnbleiche, Hallostraße, Graitengraben, Bernhardstraße, Einigkeitstraße, Neustraße, Möllneyer Ufer, Flözstraße, Lentorfstraße, Prosperstraße und Altendorfer Straße. An der Bockmühle tut sich ganz aktuell etwas.

Spanisches Falir statt Schwedenhäuser

Für einen ausgelassenen Tanz in den Mai 2012 wird die Zeit wohl etwas knapp - schließlich müssen die alten Asyl-Blockhäuser an der Bockmühle in Altendorf noch abgerissen werden. Doch der Plan, in der grünen Senke an der Altendorfer Straße 448 einen gastronomischen Magneten nach dem Vorbild der „Finca & Bar Celona“ in Bergerhausen zu errichten, scheint mit leichter Verspätung aufzugehen: Der städtische Planungs-Ausschuss gab am Donnerstag sein Okay, das knapp 7300 Quadratmeter große Areal in Altendorf über die Wirtschaftsförderungs-Gesellschaft EWG zu vermarkten. Als Käufer auftreten will die Oldenburger Celona Gastro GmbH, die neben der Finca an der Westfalenstraße auch die „Bar Celona“ am Kennedyplatz betreibt und die rund 3,0 bis 3,3 Millionen Euro in Altendorf investieren möchte - in ein Objekt mit 500 Quadratmetern Gastraum, 300 Quadratmetern Nebenflächen und 120 Jobs für (Teilzeit-)Kräfte. Die Stadt sieht in dem geplanten Gastro-Standort eine ideale Ergänzung zur laufenden Aufwertung Altendorfs, zusammen mit der geplanten Renaturierung des Borbecker Mühlenbachs nebenan, dem bereits fertiggestellten Wander- und Radweg der Rheinischen Bahn und der neuen Trasse Richtung Borbeck-Mitte.

Bauvoranfrage läuft

Eine Bauvoranfrage läuft bereits, während die Stadt parallel dazu prüfen lässt, ob das Land auf der Rückerstattung von 250.000 Euro einst gewährten Landesmitteln für den Bau der Notunterkünfte an der Altendorfer Straße besteht. Grund: Die damals vertraglich vereinbarte Nutzungsfrist ist noch nicht abgelaufen. Andererseits gilt eine Revitalisierung der so genannten Schwedenhäuser für Asylbewerber als illusorisch: Die Stadt müsste dafür 1,5 Millionen Euro an Investitionen aufwenden. Das letzte Wort in Sachen Finca zwo hat übrigens der Rat: Er befindet am 25. Mai über die Vermarktung des Geländes.