AStA will die skandalträchtige Geschichte des KKC an der Uni Duisburg-Essen aufarbeiten

Martin Spletter
„Das KKC war studentischer Freiraum und muss es wieder werden“, sagt der  neue AStA-Vorsitzende Semih Inak. Solange es vom Studentenwerk betrieben wird, boykottiert er das Kunst- und Kulturcafé.
„Das KKC war studentischer Freiraum und muss es wieder werden“, sagt der neue AStA-Vorsitzende Semih Inak. Solange es vom Studentenwerk betrieben wird, boykottiert er das Kunst- und Kulturcafé.
Foto: WAZ FotoPool
Der neue AStA an der Uni Duisburg-Essen will die wechselvolle Geschichte der Kellerkneipe "KKC" dokumentieren. Das dürfte spannend werden, denn viele Uni-Skandale um geklaute Kassen, staatsanwaltschaftliche Ermittlungen, Vetternwirtschaft, sogar sexueller Missbrauch nahmen im KKC ihren Anfang. Das "Kunst- und Kulturcafé", so der offizielle Name des KKC, ist seit Januar in den Händen des Studentenwerks. Dem AStA gefällt das gar nicht und fordert: Gebt uns das KKC zurück.

Essen. Die neu gewählte Studentenvertretung, der Allgemeine Studierenden-Ausschuss (AStA), hat eine Geschichts-AG ins Leben gerufen, die die Historie des KKC aufarbeiten soll. Das teilte Semih Inak (23) mit, der neue AStA-Vorsitzende.

Das Kunst- und Kulturcafé (KKC) im Erdgeschoss des Uni-Verwaltungsgebäudes an der Segerothstraße ist seit Januar nicht mehr in den Händen des AStA. Es gehört seitdem dem Studentenwerk, das auch die Mensen an den Hochschulen in Duisburg und Essen betreibt. Der vorletzte AStA hatte das KKC dem Studentenwerk verkauft.

Semih Inak hatte sich kürzlich deutlich dafür ausgesprochen, dass das KKC wieder zurück in studentische Hände soll: „Das KKC war studentischer Freiraum und muss das auch wieder werden. Es ist eins von den Studierenden erkämpft worden.“

Geklaute Kassen, staatsanwaltschaftliche Ermittlungen, Vetternwirtschaft und sogar sexueller Missbrauch

Das Problem am KKC: Viele der Geschichten, die den AStA im letzten Jahrzehnt häufig in Verruf gebracht haben – geklaute Kassen, staatsanwaltschaftliche Ermittlungen, Vetternwirtschaft, sogar sexueller Missbrauch – nahmen im KKC ihren Anfang oder endeten dort. Im Januar hatte das Studentenwerk versprochen, aus dem KKC keine teure Edel-Gastronomie machen zu wollen, sondern solide zu betreiben. Es besteht erheblicher Instandsetzungsbedarf. Renovierungspläne gibt es schon, sind aber noch nicht verabschiedet worden.

Eine Gruppe, die aus rund einem Dutzend Mitstreitern besteht, hat nach Angaben Inaks jetzt damit begonnen, Infos und Geschichten aus der Zeit zusammenzutragen, als das KKC erstmals vom Studentenwerk an den AStA übertragen wurde – das war um 1990. Es folgten zunächst erfolgreiche Jahre. Dann, später, nach der Jahrtausendwende, ging es bergab. Das lag offenbar auch an zu teuren Konzerten, und später brachte die kriminelle Energie einiger Protagonisten das gesamte KKC in Verruf.

Es folgten Phasen der unkontrollierten Öffnung und Schließung, geklaute Kassen tauchten nie mehr auf, ein Geschäftsführer wurde gerichtlich verurteilt, weil er junge Mädchen im KKC unsittlich berührt hatte. Dabei war das KKC einmal ein durchaus veritabler Schauplatz für Parties und Konzerte, die sich größter Beliebtheit nicht nur unter Studenten erfreuten.

Neue Gespräche zwischen Studentenwerk und AStA, die Besitzverhältnisse betreffend, haben übrigens noch nicht stattgefunden. In einer ersten Stellungnahme hatte das Studentenwerk die Forderung des AStA als eher abwegig beurteilt. Seit dem Besitzerwechsel im Januar boykottiert der AStA das KKC als Veranstaltungsort. Auch einige Fachschaften feiern dort nicht mehr.