Asbest, Schimmel und Ratten in Kita der Stadt Essen

Trotz massiver Mängel besuchen 70 Kinder weiterhin die städtische Kita an der Waterfohrstraße in Frillendorf, sie zogen in unbelastete Räume.
Trotz massiver Mängel besuchen 70 Kinder weiterhin die städtische Kita an der Waterfohrstraße in Frillendorf, sie zogen in unbelastete Räume.
Foto: Socrates Tassos
  • Stadt Essen veröffentlicht lange Liste mit Missständen an heilpädagogischer Kita in Essen-Frillendorf
  • Probleme mit eindringendem Wasser sind Stadt seit vielen Jahren bekannt, Sanierung ist unwirtschaftlich
  • Kinder bleiben in anderen Räumen des Gebäudes, Ersatzbau soll voraussichtlich 2018 fertig sein

Essen-Frillendorf.. Die Liste der Mängel, die an der städtischen Kita Waterfohrstraße in Frillendorf festgestellt wurden, erinnert an ein Schreckensszenario: Die reichen von schwarzem Schimmel über Asbest und PCB bis zu Ratten in Zwischendecken, Brandschutzmängeln, unzureichender Fluchtwegsituation, schadstoffbelasteten Außenanlagen und zeitweise beeinträchtigtem Trinkwasser.

Derweil besuchen 70 Kinder die Einrichtung weiterhin, darunter mehrfach schwerstbehinderte Kinder. Ein Ersatzbau soll erst 2018 fertig sein. Daher gibt es eine Übergangslösung: Die Mädchen und Jungen blieben im Gebäude, zogen aber in unbelastete Räume, sagen die Stadt als Träger und der Landschaftsverband Rheinland (LVR) als Aufsichtsbehörde. Sie tauschen sich seit dem Vorjahr regelmäßig zur Situation aus und leiten Sofortmaßnahmen ein, sagt LVR-Sprecherin Katharina Landorff.

2015 stellte schließlich eine Machbarkeitsstudie fest: Ein Neubau sei wirtschaftlicher. Immerhin sei auch das Rohrleitungssystem der Kita marode und elektrische Anlagen im Zustand von 1957. Hinzu kommen zahlreiche Mängel, die sich im Bericht der Unfallkasse wiederfinden, fasst die Stadt zusammen, ohne sie zu benennen.

Stadt Essen plant Ersatzbau an der Elisenstraße

Für die Kommune galt es also, „so schnell wie möglich einen Ersatzstandort für die Kita zu finden, um Kinder und Mitarbeiter nicht weiterhin einer möglichen Gefährdung auszusetzen“, formuliert die Immobilienwirtschaft. Jetzt plant die Stadt zwar einen Ersatzbau an der Elisenstraße. Da der Standort aber erst gefunden werden musste und das Gebäude noch errichtet werden muss, behalf sich die Stadt vorerst damit, Teilbereiche im Gebäude umgehend zu schließen, sagt Stadtsprecherin Hannah Hettinger.

So konnte zeitweise das komplette Untergeschoss nicht genutzt werden. Schimmel wurde zwar beseitigt. Dauerhaft konnten aber nicht alle Missstände behoben werden. Daher prüfen Fachingenieure das Objekt engmaschig: Raumluft und Trinkwasser würden kontrolliert, um ein gesundheitliches Risiko für die Kinder auszuschließen. Die Statik werde regelmäßig geprüft. Nutzer und Eltern würden weiterhin informiert.

Stadtsprecherin: Häufung der Probleme ein Einzelfall

Politiker vor Ort wie etwa Julia Kahle-Hausmann, SPD-Ratsfrau, wussten von Mängeln und Ersatzbauplänen nichts. Die Frillendorferin reagiert brüskiert: „Selbst meinen Kollegen im Jugendhilfeausschuss war die Situation an der Waterfohrstraße so nicht bekannt.“

Ähnlich geht es dem Frillendorfer Peter Valerius (CDU): „Ich war überrascht, als ich in Verwaltungsunterlagen zunächst vom Neubau las.“ Den Grund dafür ahnte auch er nicht und war mindestens genauso überrascht von der Liste, die die Immobilienwirtschaft auf seine Anfrage hin veröffentlichte. Bislang hätten die Politiker keine Klagen von Eltern oder Erzieherinnen im Stadtteil vernommen.

Dort wird das Gebäude, das in Hanglage gebaut wurde, seit mehr als 50 Jahren als Kita genutzt. Probleme mit Feuchtigkeit, vor allem im zweiten Untergeschoss, sind der Stadt nach eigenen Angaben seit Jahren bekannt. „Trotz mehrfacher Sanierungen konnte das Gebäude nicht dauerhaft gegen das eindringende Wasser gesichert werden“, erklärt Hannah Hettinger. Und auch wenn die Rattenplage kein spezifisches Problem dieser Kita sei: Die geballte Häufung der Probleme nennt sie einen Einzelfall, der unvorhersehbar gewesen sei.

 
 

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