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Armut im Ruhrgebiet: Essen wünscht sich Entlastung und nicht mehr Aufgaben

In allen 13 Städten im Ruhrgebiet hat die Armut zugenommen, wie eine neue Studie zeigt.
In allen 13 Städten im Ruhrgebiet hat die Armut zugenommen, wie eine neue Studie zeigt.
Foto: imago/Winfried Rothermel

Essen. Noch immer gibt es in den deutschen Städten gewaltige Unterschiede, was das Einkommen der Einwohner betrifft.

Eine neue Studie der Bertelsmann-Stiftung, die am Dienstag erschien, ergab nun: Vor allem in den Großstädten gibt es ein Problem. Bundesweit empfangen zehn Prozent der Menschen Sozialleistungen – in Großstädten sind es sogar 14 Prozent.

Ruhrgebiet: Armut nimmt zu

Vor allem das Ruhrgebiet ist betroffen, in allen 13 Großstädten hat die Armut stark zugenommen. Das liege unter anderem daran, dass der Strukturwandel noch nicht vollständig bewältigt worden sei, heißt es vonseiten der Stiftung.

Besonders arg ist die Lage in Gelsenkirchen: Jeder Vierte (26 Prozent) gilt als arm. Im Vergleich: In Heidelberg (Baden-Württemberg) und Fürth (Bayern) ist nur jeder Zwanzigste von Armut betroffen (5 Prozent).

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Neue Arbeitsplätze - mehr Arbeitslose

Silke Lenz, Sprecherin bei der Stadt Essen, nennt, warum gerade im Ruhrgebiet die Unterschiede deutlich zu erkennen sind. „Der Strukturwandel hat dazu geführt, dass einerseits viele Arbeitsplätze weggefallen sind“, erklärt sie. Zwar seien neue Arbeitsplätze entstanden, diese setzten allerdings viel höhere „Schlüsselqualifikationen“ voraus.

In Essen habe der Wandel über Jahrzehnte dazu geführt, dass die Arbeits- und vor allem Langzeitarbeitslosigkeit vergleichsweise hoch ist. Zusätzlich ist in Essen jedes vierte Kind von Armut bedroht.

Was macht die Stadt Essen gegen Armut?

In Essen werden „lebenslagenorientierten und sozialraumorientierten Ansätzen“, so heißt es in der Studie, verfolgt. Eine Grafik der Stadt stellt die Maßnahmen dar:

Weiter listet Stadtsprecherin Silke Lenz konkrete Angebote auf:

  • Teilhabekarte für sozial schwache Familien
  • das Betreuungsangebot Sonne, Mond und Sterne, das Frauen und Männer unterstützt, trotz Kinderbetreuung den Beruf weiter auszuüben
  • das Projekt „Starke Quartiere – Starke Menschen“ setzt sich für unterschiedliche Angebote, Projekte und Maßnahmen in strukturschwachen Stadtteilen ein

Essen wünscht sich Entlastung und nicht mehr Aufgaben

Konkret würde sich die Stadt Essen wünschen, dass Bund und Länder die Kommunen entlasten, statt „diese durch mehr Aufgaben zusätzlich zu belasten.“ So überlegt der Bund momentan, die Integrationspauschale von fünf auf etwa 1,5 Milliarden zu kürzen. Ein herber Schlag für die Stadt Essen, die 22.000 Flüchtlinge aufgenommen hat. Die Integration braucht nicht nur Zeit, sondern auch Geld.

Von einem Soli für das Ruhrgebiet hält Oberbürgermeister Thomas Kufen übrigens nichts. Er meint, dass sich die finanzielle Verteilung nicht nach Himmelsrichtungen, sondern Bedürftigkeit richten soll.

Großstädter nehmen Armut stärker wahr

In Ostdeutschland verbesserte sich die Situation im Vergleich zu 2007 hingegen, alle zehn Großstädte nähern sich immer mehr dem westdeutschen Niveau.

Zudem kam die Studie bundesweit zu dem Ergebnis, dass Menschen, die in Großstädten leben, Armut stärker wahrnehmen als Bewohner von Kleinstädten.

Deutscher Städtetag fordert Verbesserungen

In Hinblick auf den Armutsbericht fordert der Deutsche Städtetag eine „Verbesserung der regionalen Wirschaftsstruktur“.

Markus Lewe, Präsident des Deutschen Städtetags, erklärt in der „Welt“: „Armut zu bekämpfen ist gerade in einem wohlhabenden Land wie Deutschland ein Muss.“

Und weiter: „Die Städte, die den größten Anteil sozial Schwacher in der Bevölkerung haben, haben oft die größten finanziellen Probleme.“ Durch Bildung und eine intensive Arbeitsmarkt- und Wohnungspolitik könne dies beispielsweise verbessert werden. (mb/cs)

 
 

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