Architekt kämpft seit zwei Jahren für altes Stellwerk

Nordviertel..  Die Zukunft des Stellwerks der Rheinischen Bahn nördlich des Viehofer Platzes ist ungewiss. Die Bezirksvertretung I kann sich seinen Abriss vorstellen. Dazu nimmt Architekt Harry Schöpke, Ostermannstraße 5, Stellung.

„Dass die Stadt Essen ein gestörtes Verhältnis zu ihrem baukulturellen Erbe hat, ist hinlänglich bekannt. Nicht genug, dass im letzten Krieg die Innenstadt durch mehrere Bombenangriffe zu fast 90 Prozent dem Erdboden gleichgemacht wurde, auch in der Nachkriegszeit während des Wiederaufbaus und später wurde erhaltenswerte und baukulturell wertvolle Gebäude abgerissen.

Verständlich, dass meist aus finanziellen Gründen nicht alles erhalten werden kann, was erhaltenswert erscheint, um dies vielleicht mit einer neuen Nutzung zu beleben.

Wenn ich jetzt lese, dass die Bezirksvertretung I die Beseitigung des alten Stellwerks am alten Bahndamm fordert, weil sich hier ein Treffpunkt für Junkies etabliert hat, sträuben sich mir wiederholt die Haare zu Berge ob dieser Ignoranz vor diesem industriegeschichtlich bedeutsamen Kleinod.

Die Stadt Essen wurde zunächst 1847 in Altenessen durch die Köln-Mindener Eisenbahn an ein sich entwickelndes Eisenbahnnetz angeschlossen, 1862 durch die Bergisch-Märkische Eisenbahn (heutiger Hauptbahnhof) und 1866 durch die Rheinische Eisenbahn. Von letzterer zeugen nurmehr der Name der U-Bahnhaltestelle Rheinischer Platz, der Bahndamm am Viehofer Platz und das alte Reiterstellwerk.

Seit Jahren werden aufgelassene ehemalige Erzbahntrassen und Eisenbahnlinien zu einem öffentlichen Radwegenetz erfolgreich umgebaut. Der Ausbau vom Universitätsgelände, der „neuen grünen Mitte Essen“ in Richtung Westen schreitet kontinuierlich voran, der Ausbau in Richtung Osten existiert als Vision einer „Fahrradautobahn“, die das Ruhrgebiet erschließen soll.

Das alte Reiterstellwerk markiert hier einen Punkt, der sich vorzüglich für eine gastronomische Einrichtung für Radfahrer eignen könnte. Mehr noch, durch seine markante Lage könnte hier sogar ein studentischer Treffpunkt entstehen, denn die Uni befindet sich nur einen Steinwurf weit entfernt, oder ein soziokulturelles Zentrum für das Eltingviertel, denn ein solcher Treffpunkt in dem stark von Migranten geprägten Viertel, in dem sich unterschiedliche Kulturen begegnen könnten, würde diesem aufstrebenden Stadtteil gut zu Gesichte stehen.

Seit zwei Jahren renne ich mit dieser Idee bei den unterschiedlichsten Stellen offene Türen ein. Allein die noch nicht endgültig geklärten Besitzverhältnisse und ein schlüssiges Finanzierungskonzept fordern Geduld.

Ein Abriss dieses historischen Bauwerks wäre ein großer Verlust für die Stadt Essen.“

 
 

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