Arbeiten für Teilneubau der Messe Essen offiziell gestartet

Wolfgang Kintscher
So sieht’s bald aus: Messe-Chef Oliver P. Kuhrt und OB Thomas Kufen am vielversprechenden Bauzaun.
So sieht’s bald aus: Messe-Chef Oliver P. Kuhrt und OB Thomas Kufen am vielversprechenden Bauzaun.
Foto: FUNKE Foto Services
  • Am Montag feierten Stadt und Messen den offiziellen Baustart für „Neue Messe Essen“
  • Kosten für das Projekt leigen bei 88,6 Millionen Euro
  • Messe-Modernisierung läuft bis Oktober 2019 während des laufenden Betriebs

Essen. War da was? Mehr als zehn Jahre haben sie in der Stadt um dieses Projekt gestritten wie die Kesselflicker: um Bauten und Bäume, um Geld und Gruga-Tabus, um geschönte Gutachten und missmutige Messekunden, denen das alte Ausstellungsgelände an der Norbertstraße nicht mehr gut genug sei. Und dann dieser Bürgerentscheid, der die Stadtgesellschaft ziemlich genau in der Mitte spaltete: 50,4 gegen 49,6 Prozent – der Messe-Teilneubau für netto 123 Millionen Euro war über Nacht vom Tisch.

Zwei Jahre, drei Monate und zwei Wochen später feierten Stadt und Messe am Montag mit 350 geladenen Gästen dann doch den offiziellen Baustart für die „Neue Messe Essen“: Die fällt zwar eine Nummer kleiner aus als einst geplant, soll nur noch 88,6 Millionen Euro netto kosten und wird auf manches verzichten müssen, was den Marktplatz für Millionen komfortabler, hübscher, bequemer gemacht hätte.

Erzwungener Kompromiss

Doch es reicht für ein attraktives Gesicht zur Stadt, für ein 2000 Quadratmeter großes Glasfoyer als Hingucker und eine ebenso aufgeräumte wie moderne Hallenstruktur des gesamten nördlichen Ausstellungs-Geländes.

Vor allem aber kommt diese Messe-Modernisierung, die bis Oktober 2019 unter laufendem Betrieb abgewickelt wird, ohne wütende Proteste, ohne politischen Streit und besserwisserische Anmerkungen aus. Die Sieger und Verlierer des Bürgerentscheides von 2014, sie haben ihren Frieden mit dem gigantischen Projekt gemacht, stehen jetzt mit Sekt oder Selters, Reibekuchen und Currywurst friedlich beieinander, und glaubt man Oberbürgermeister Kufen, ist dies womöglich die wichtigste Erkenntnis des Tages: dass man nach einer „ganz schwierigen Zeit“ letztlich doch zum Kompromiss fand, und war’s auch ein erzwungener. „Denn wenn man nicht aufpasst“, so der OB, kann es passieren, „dass die Messe insgesamt in Frage gestellt wird.“

"Wir sind alle Messe Essen"

Gelegentlich brauche gut Ding eben Weile – im Falle der Messe-„Ertüchtigung“ an der Norbertstraße waren es gut zehn Jahre: Thomas Kufen ist nach Wolfgang Reiniger und Reinhard Paß der dritte Oberbürgermeister, der sich des Themas annimmt, Oliver P. Kuhrt der dritte Messe-Chef nach Joachim Henneke und Frank Thorwirth. Spielte Geld in dieser Stadt keine Rolle, wäre manches früher möglich gewesen, aber in Essen sind die Millionen ein knappes Gut und Prioritäten folglich umstritten. Die fast übermächtige Koalition der Messe-Befürworter ging darüber hinweg, wie OB Kufen nachdenklich einräumte, indem er ein afrikanisches Sprichwort zitierte: „Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht.“

Jetzt aber ziehen sie gemeinsam, das zumindest sei der Stadt zu wünschen, findet Kufen: „Wir sind alle Messe Essen, denn jeder Einzelne von uns ist Gastgeber dieser Stadt – darauf freue ich mich.“