Anwohner klagen über öffentlichen Drogenhandel in Essen-Altendorf

Sie haben die Nase voll von der Drogenszene unter ihren Fenstern: Rohit Kapoor (3. v. l.), Türkan Vollrath (li.) und weitere Anwohner der Schmitzstraße.
Sie haben die Nase voll von der Drogenszene unter ihren Fenstern: Rohit Kapoor (3. v. l.), Türkan Vollrath (li.) und weitere Anwohner der Schmitzstraße.
Foto: Funke Foto Services
Ein Durchgang im Essener Stadtteil Altendorf hat sich zum Treffpunkt der Drogenszene entwickelt. Die Anwohner wollen das nicht länger hinnehmen.

Essen. Seit 24 Jahren lebt Rohit Kapoor in Essen-Altendorf. Schon in jungen Jahren schaffte sich der heute 43-Jährige auf der Altendorfer Straße, Ecke Schmitzstraße Eigentümer ein Wohn- und Geschäftshaus an. Heute ist der zweifache Vater der Verzweiflung nahe: „Damals habe ich das Haus gekauft. Jetzt muss ich darum kämpfen!“ Der Grund: „Direkt in der Unterführung Schmitzstraße 1/Altendorfer Straße 292 sitzen seit Jahren Drogenhändler, deren Anzahl kontinuierlich steigt. Es wird hier komplett und sehr organisiert in der Öffentlichkeit gehandelt. Alle Anwohner wohnen hier in Furcht und Angst, sind besorgt über die Zukunft ihrer Kinder.“

Dass Rohit Kapoor nicht nur für sich spricht, sondern auch für seine Nachbarn, zeigt ein Besuch an dem Durchgang, der die ruhige Sackgasse Schmitzstraße mit der belebten Altendorfer Straße verbindet. Innerhalb weniger Minuten stehen die Anwohner zusammen und reden sich ihren Frust von der Seele – und davon gibt es reichlich.

Drogengeschäfte ohne jede Scheu

Es sind etwa ein halbes Dutzend junger Männer, die sich hier tagtäglich treffen und ohne Scheu ihre Drogengeschäfte anbahnen. „Das ist ein Punkt, der Händler und Konsumenten anzieht“, bestätigt Polizeisprecher Marco Ueberbach. Allerdings handele es sich nicht um einen „Dealer-Punkt“: „Nein, hier bahnt man das Geschäft an und zieht sich dann dorthin zurück, wo man nicht beobachtet werden kann.“ Etwa in die unübersichtlichen Hinterhöfe, wo die Drogen ihren Besitzer wechseln.

Die Nachbarn kennen auch die Zwischenlager. „In den Aschentonnen und in den Büschen! Das sehe ich doch alles aus meinem Fenster“, erzählt eine Anwohnerin. Und als ob das nicht schon reiche, werde es auch noch richtig unappetitlich: „Alles ist hier zugepinkelt und liegt voller Fäkalien.“ Hauseigentümer Karl-Heinz Becker wollte deshalb die zweckentfremdeten Müllboxen wegstellen, wurde aber enttäuscht: „Von der EBE gab es keine Hilfe. Ich hätte die Tonnen jede Woche selbst aus dem Keller holen sollen.“ Es werde immer schwieriger, Wohnungen zu vermieten: „Vernünftige Mieter finden wir hier keine mehr.“

Anwohner fühlen sich allein gelassen

Unter der Drogenszene leiden natürlich auch die Geschäfte, so wie Rohit Kapoors Handel oder Türkan Vollraths Ergotherapie- und Logopädie-Praxis. „Ich bekomme einfach keine Mitarbeiter mehr aus anderen Stadtteilen. Wenn die das hier sehen, wollen sie hier nicht arbeiten“, sagt die türkisch-stämmige Geschäftsfrau. „Multi-kulti ist ja gut, aber so geht es nicht weiter.“

Auf die Hilfe der Polizei setzt eigentlich auch Rohit Kapoor, allerdings mit gedämpfter Hoffnung. Während die Behörde auf den Druck verweist, den die Ermittlungskommisson seit zwei Jahren ausübe, fühlt er sich eher allein gelassen: „Die Polizei sagt uns offen, dass sie machtlos ist.“ Deshalb hat er nicht nur einen offenen Brief an die Stadt und den Oberbürgermeister geschrieben, sondern werde sich auch ans Innenministerium wenden.

 
 

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