Anschluss ans radelnde Mittelfeld

Marcus Schymiczek

Beim „Fahrradklimatest 2012“ des Deutschen Allgemeinen Fahrradclubs (ADFC) hat die Stadt Essen Platz 22 unter 38 Großstädten belegt. Unterm Strich gaben die Radler ihrer Stadt in punkto Fahrradfreundlichkeit die Note „ausreichend“ mit einem zarten Plus dahinter (3,97). „Wäre ich als Schüler mit einer solchen Zensur nach Hause gekommen - meine Eltern wären nicht sonderlich begeistert gewesen“, meint Jörg Brinkmann.

Der Vorsitzende des örtlichen ADFC wertet das Ergebnis als „Stagnation auf relativ niedrigem Niveau“. Immerhin konnte sich Essen im Vergleich zum letzten Klimatest im Jahr 2005 leicht verbessern, damals reichte es für Platz 23 unter 28 Städten. Mehr noch: Der ADFC attestiert der Ruhrstadt sogar eine überdurchschnittlich positive Entwicklung in Sachen Radverkehr. Die Zeiten der „Rostigen Speiche“ hat die Stadt offenbar erfolgreich hinter sich gelassen. 1991 musste der damalige Oberstadtdirektor Kurt Busch diese wenig schmeichelhafte Auszeichnung aus den Händen von Umweltminister Klaus Töpfer entgegen nehmen.

Inzwischen hat Essen Anschluss ans Mittelfeld gefunden. Das Radwegenetz bewerteten die 546 Teilnehmer, die sich an der Umfrage beteiligt hatten, sogar mit der Note „befriedigend“ (2,95). Jörg Brinkmann führt dies in erster Linie auf den Umbau ehemaliger Eisenbahntrassen zu Radwegen zurück, den die Stadt auch dank des finanziellen Engagements des Regionalverbandes Ruhr (RVR) forcieren konnte. „Darum beneiden uns viele Städte“, weiß der Fahrradlobbyist. Der Ausbau des städtischen Routennetzes komme hingegen leider nur schleppend voran, bedauert Brinkmann. Lücken im Netz würden nur dann geschlossen, wenn Straßen erneuert werden wie jüngst die Gerlingstraße, die nun auch über Radfahrstreifen verfügt. Mitunter sei das Tempo frustrierend.

Der „Fahrradklimatest“ des ADFC unterscheidet nicht zwischen Bahntrassen oder innerstädtischen Routen, er legt jedoch offen, an welchen Stellen es hakt: In Punkto „Komfort“ (Note 4,31) und „Sicherheit“ (4,19) liegt Essen unterhalb der eigenen Durchschnittsnote, auch das Miteinander von Rad- und Autofahrern im Straßenverkehr scheint problematisch (4,51). Einige Stellschrauben hat die Stadt selbst in der Hand: Bei Falschparkern auf Radwegen (4,96) wäre das Ordnungsamt gefragt, die EBE bei der Reinigung der Radwege (4,51) und das gilt auch für den Winterdienst (5,11). Dass zuletzt auf verkehrswichtigen Straßen zwar die Fahrspuren für den Autoverkehr geräumt worden seien, nicht aber die Radfahrstreifen, sei schlicht nicht nachvollziehbar, kritisiert Brinkmann.