Angetreten auf Zollverein

Marcus Schymiczek
Reservisten der Bundeswehr traten zum Aufstellungsappell auf Zollverein an.
Reservisten der Bundeswehr traten zum Aufstellungsappell auf Zollverein an.
Foto: WAZ FotoPool/ Ralf Rottmann

Antreten auf Zollverein – im Schatten des Doppelbocks galt dies bislang allenfalls für Schützenvereine. Freitag gab’s dort das ganz große Besteck: Die Bundeswehr hatte das Weltkulturerbe für den feierlichen Aufstellungsappell dreier Reservistenkompanien ausgeguckt und bot neben Marschmusik und Trommelwirbeln alles, was zu einem solchen Anlass dazu gehört.

Die neuen Einheiten sollen als „Sicherungs- und Unterstützungskompanien“ militärische Anlagen bewachen, wenn die dort stationierten Truppen ausgerückt sind, um wie in diesen Tagen zum Beispiel das Hochwasser an Donau und Elbe in Schach zu halten. Mehr als 20 000 Bundeswehrsoldaten waren dort im Einsatz, wofür sich Landtagspräsidentin Carina Gödecke vor der Truppe ausdrücklich bedankte.

Warum hat sich die Bundeswehr für Zollverein entschieden? „Wir wollten einen symbolischen Ort, der für NRW steht“, erläuterte Presseoffizier Uwe Kort. „Und wir wollten den Appell öffentlich machen, weil unsere Reservisten-Kräfte aus der Region kommen sollen.“

Trotz der Suche nach Öffentlichkeit blieb die Bundeswehr weitgehend unter sich. Geladene Gäste, Angehörige und einige wenige Zaungäste verfolgten den Appell vor dem Ruhrmuseum. Nur die wenigsten werden mitbekommen haben, dass sich draußen, auf der gegenüberliegenden Seite der Gelsenkirchener Straße, einige Dutzend Demonstranten aus dem linken Spektrum versammelt hatten. Das Essener Friedensforum hielt lieber einige Meter Sicherheitsabstand. Dafür suchten Beamten einer Polizeihundertschaft augenscheinlich ganz engen Blickkontakt und bauten sich auf der Fahrbahn direkt vor den Demonstrierenden aus dem linken Lager auf. Für den Autoverkehr in Richtung Katernberg gab es da kein Durchkommen mehr.

„Drinnen Folklore, draußen Folklore“, kommentierte Hans-Peter Leymann-Kurtz, Fraktionschef der Linken im Rat, angesichts einiger jugendlichen Fahnenschwenker mit FDJ-Emblemen, die die Jugendorganisation aus DDR-Zeiten selbst nur aus dem Geschichtsbuch kennen dürften. Warum die Stiftung Zollverein das Welterbe für einen Bundeswehr-Appell zur Verfügung stellt, interessierte auch Linken-Sprecher Leymann-Kurtz, der erwägt, eine Anfrage im Rat zu stellen. Die Stiftung Zollverein sieht in dem öffentlichen Auftreten der Bundeswehr auf ihrem Gelände kein Problem. Die Bundeswehr sei zweifellos „demokratisch legitimiert“, im konkreten Fall handele es sich um Einheiten, die Menschen in Not Hilfe leisteten, so Sprecherin Delia Bösch. Für die Einheiten mit ihren Heimatorten Düsseldorf, Unna und Ahlen sei Zollverein so etwas wie die geografische Mitte. „Für uns ist das ein normales Mietgeschäft.“