Essen

Angela Merkel in Essen: Wie der „Wohlstand für alle“ auch ins Revier kommen soll

Bundeskanzlerin Angela Merkel beim Politischen Forum Ruhr in der Philharmonie Essen.
Bundeskanzlerin Angela Merkel beim Politischen Forum Ruhr in der Philharmonie Essen.
Foto: Peter Sieben
  • Soziale Gerechtigkeit und neue Energie: Kanzlerin Angela Merkel adaptiert Kernthemen anderer Parteien
  • In der Philharmonie Essen sprach sie über den Strukturwandel im Ruhrgebiet
  • Zum Minijobber-Eklat von Parteifreund Peter Tauber hat sie eine klare Meinung - fast

Essen. Eigentlich ist es ja ein Kernthema der SPD: soziale Gerechtigkeit. Doch Bundeskanzlerin Angela Merkel scheint das Thema vor dem anstehenden Wahlkampf allmählich zu adaptieren.

Beim Politischen Forum Ruhr in der Philharmonie in Essen jedenfalls ging es in der Rede der Kanzlerin um genau das: die Schere zwischen Arm und reich - und vor allem: Wohlstand für alle.

Angela Merkel: „Wohlstand für alle“

Programmatisch besinnt sich die Kanzlerin damit wohl auf eine gute alte Zeit, als Wirtschaft und Wunder noch Synonyme waren. Denn „Wohlstand für alle“ ist auch der Titel eines Buches von Ludwig Erhard. Der zweite Bundeskanzler der BRD gilt geradezu als Erfinder der Sozialen Marktwirtschaft.

Merkel zitierte ihren Amts-Urahn unermüdlich - und presste die Idee von sozialer Gerechtigkeit in ein sehr wirtschaftsliberales Weltbild. Das hatte schon beinahe FDP-Züge.

Je größer der Kuchen, desto besser

Denn Wachstum und freie Märkte seien der Schlüssel für den allgemeinen Wohlstand. „Je größer ein Kuchen ist, desto mehr gute Stücke sind für jeden einzelnen da“, so Merkel.

Den lokalen Dreh fand die Kanzlerin dann auch schnell. „Der beispiellose Strukturwandel im Ruhrgebiet ist ein untrügliches Zeichen dafür, wie sich unsere Wirtschaft wandelt“, so Angela Merkel.

Pumpspeicherkraftwerk Prosper Haniel

Der Strukturwandel sei hier nicht abstrakt, sondern für die Menschen spürbar. Die Region sei aber auf einem guten Weg in die Zukunft, sagt Merkel und nennt als Beispiel dafür die Zeche Prosper Haniel in Bottrop, wo ein Pumpspeicher-Kraftwerk entstehen soll. „Die Zukunft gehört der erneuerbaren Ernergie“, so Merkel - und klang damit auch noch ein bisschen grün.

Dass die USA weiterhin ein wichtiger Handelspartner bleiben, sei auch für die Menschen hier von Vorteil. Dass sie dem neuen US-Präsidenten Donald Trump nicht völlig unkritisch gegenübersteht, wurde allerdings auch schnell klar.

„Auch diese Menschen haben eine Stimme“

Als Jörg Quoos, Chefredakteur der Funke-Zentralredaktion und Moderator des Abend, fragte, inwieweit Trumps Abschottungspolitik denn der hiesigen Wirtschaft gefährlich werden könne, sagte Merkel: „Trump ist von Menschen gewählt worden, an denen die Erfolge der Globalisierung vorbeigegangen sind. Auch diese Menschen haben eine Stimme. Aber der Standpunkt, dass immer, wenn einer gewinnt, auch einer verlieren muss, ist nicht meine Vorstellung von Globalisierung“.

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Merkels Parteifreund Peter Tauber hat von sozialer Gerechtigkeit übrigens eine eher spezielle Ansicht. Das jedenfalls wurde aus seinem Tweet deutlich, der ihm jüngst nicht weniger als einen Shitstorm einbrachte: „Wenn Sie was ordentliches gelernt haben, dann brauchen Sie keine drei Minijobs“, twitterte der Politiker.

Peter Tauber? „Ich fand's nicht passend“

Was sie davon halte, fragte Quoos die Kanzlerin. Und die ließ sich zu einer für ihre Verhältnisse beinahe eindeutigen Antwort hinreißen: „Ich fand's nicht passend“, sagte sie - und fügte nach einer Weile hinzu: „Aber er hat sich ja entschuldigt.“

Der Minijob sei nicht eingeführt worden, damit sich Minijobber für ihren Job entschuldigen müssen, so Merkel.

Bis 2025 soll es wieder Vollbeschäftigung in Deutschland geben, so die Kanzlerin - wie damals, als Wirtschaft und Wunder noch Synonyme waren.

 
 

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