Andrea Klabuhn aus Essen is(s)t als Veganerin glücklich ohne Fleisch

Christina Wandt
Lebt seit sieben Jahren Vegan: Andrea Klabuhn aus Essen-Werden. Foto: Kerstin Kokoska
Lebt seit sieben Jahren Vegan: Andrea Klabuhn aus Essen-Werden. Foto: Kerstin Kokoska
Foto: WAZ FotoPool
Andrea Klabuhn (25) aus Essen ist seit Jahren Veganerin - bisher galt sie als Außenseiterin, heute ist sie Avantgarde. „Kuhmilch ist für Kälber, nicht für Menschen“, sagt Klabuhn.

Essen. Sie sind immer noch in der Minderheit. Doch während man sie früher gern als Spinner oder dröge Gesundheitsapostel ansah, können sie sich heute als Avantgarde fühlen: Menschen, die kein Fleisch essen. Neuerdings liefern ihnen nicht nur Lebensmittelskandale Argumente, sondern die Literatur: Der US-Bestsellerautor Jonathan Safran Foer legte im vergangenen Jahr das Buch „Tiere essen“ vor, seine deutsche Kollegin Karen Duve schrieb „Anständig essen“.

Die Werdenerin Andrea Klabuhn hat Foers faktenreiches Werk wider den Fleischkonsum nicht gelesen. „Ich brauch’ das nicht, um bestätigt zu werden.“ Sie weiß selbst über qualvolle Massentierhaltung Bescheid, referiert kundig über klimaschädliche Gase von Rindern und über den Wahnsinn, Getreide an Tiere zu verfüttern, während Menschen hungern. Trotzdem freut sich die 25-Jährige über die Argumentationshilfe aus dem Buchladen: „Das Thema wandert durch alle Medien.“

Aus eigener Erfahrung weiß sie, dass das Anlass sein kann, die Ernährung umzustellen: Bei ihr war es die „Bravo“. Als die Jugendpostille im Zuge des BSE-Skandals 2001 auch über die Nutztierhaltung berichtete, kam das die 15-Jährige hart an. „Ich hatte solches Mitleid mit den Tieren, dass ich von einem auf den anderen Tag aufhörte, Fleisch zu essen.“

Kuhmilch ist für Kälber - nicht für Menschen

Eltern und Freunde hätten das für eine Phase gehalten, doch während andere Vegetarier rückfällig werden, blieb Andrea Klabuhn konsequent. Als sie 2004 merkte, dass sie mit Bauchweh auf Milch, Käse oder Butter reagierte, strich sie alle Tierprodukte vom Speisezettel, seither lebt sie vegan.

Heute ist die junge Frau, die eine kaufmännische Ausbildung hat, aber derzeit als Pflegehelferin arbeitet, überzeugt, dass sie so oder eines Tages Veganerin geworden wäre. Ihr Körper habe nur signalisiert, was auf der Hand liege: „Kuhmilch ist für Kälber, nicht für Menschen. Keine Spezies trinkt Milch einer anderen.“

Der Traum vom Planeten Vegan

Andrea Klabuhn weiß, dass solche Sätze auf viele Menschen irritierend wirken, dass sich mancher sogar von ihrer Haltung provoziert fühlt. „Ich werde oft gefragt, ob meine Lebensweise nicht ungesund ist.“ Dabei könne sie über Früchte, Gemüse, Getreide alle wichtigen Nährstoffe zu sich nehmen. „Veganer haben keine Mangelrescheinungen, so lange sie ausgewogen essen.“ Sie lebe ohnehin sehr gesund, rauche nicht, trinke weder Kaffee noch Alkohol. Dass Bekannte oder Kollegen über eine so strikte Disziplin spotten, nimmt sie gelassen: „Als Veganer ist man eh schon Außenseiter.“ Auch über das Vorurteil, dass nur Fleisch richtig Kraft spendet, lächelt sie bloß. Sie gehe täglich Schwimmen, wandere, fahre Mountainbike. Ein vegan lebender Bekannter laufe Marathon; gemeinsam wollen sie den Ausdauersportclub Planet Vegan gründen. „Nach dem Planeten, auf dessen Entdeckung wir noch warten.“

Vegane Produkte gibt's in jedem Supermarkt

Seine Bewohner sollen allesamt Veganer sein - während es in Deutschland wohl gerade mal 250 000 sind. Eine Minderheit, die allerdings via Internet gut organisiert und mit der größeren Gruppe der Vegetarier bestens vernetzt ist. Heute Abend zum Beispiel trifft sich der „Vegetarische Stammtisch Ruhrgebiet“ im „Zodiac“ in Rüttenscheid, wo es auch vegane Speisen gibt. Überhaupt sei es in den vergangenen Jahren immer leichter geworden, sich fleischlos zu ernähren. Während sie früher zum Sojamilch- und Tofu-Kauf ins Reformhaus gefahren sei, gebe es heute in jedem Supermarkt derlei Produkte. Wer glaube, Veganer mümmelten nur Rohkost, liege völlig falsch. „Es gibt alles vom veganen Eis bis zur veganen Pizza.“

Und nun gibt es auch einen neuen Schwung für das Leben ohne Fleisch, auch wenn sich Andrea Klabuhn dabei über den Promi-Faktor wundert: „Dass Paul McCartney Vegetarier ist, beeindruckt die Menschen. Beim Nachbarn ziehen sie die Augenbrauen hoch.“