An der Sicherheit nicht sparen

Essens Ordnungsdezernent Christian Kromberg will einen „Runden Tisch Sicherheit“ ins Leben rufen.
Essens Ordnungsdezernent Christian Kromberg will einen „Runden Tisch Sicherheit“ ins Leben rufen.
Foto: WAZ FotoPool
Ordnungsdezernent Christian Kromberg will eine Debatte über künftige Aufgaben im öffentlichen Raum anstoßen. Dabei geht es ihm um mehr als das bisherige Nebeneinander von privaten und öffentlichen Diensten. Arbeitseffizienz sei das Stichwort und eine neue Form der Zusammenarbeit mit privaten Sicherheitsdiensten angesagt.

Essen.. Sie sind längst da: Sicherheitsleute patrouillieren in der Innenstadt, in Stadtteilen und in Wohnquartieren. Doch Essens Ordnungsdezernent will mehr als das bisherige Nebeneinander von privaten und öffentlichen Diensten. Ein Sicherheitsmanagement für die ganze Stadt, maßgeschneiderte Lösungen für die Bedürfnisse der Quartiere und eine engere Zusammenarbeit mit Security-Anbietern schweben Christian Kromberg vor: „Ich scheue mich nicht vor einer intensiven Kooperation.“ Die Polizei werde kleiner. „Wir auch“, sagt der Beigeordnete mit Blick auf die personelle Lage der Stadt. Da seien Prioritäten zu setzen: „Wir müssen offen sagen, was wir nicht mehr leisten können.“ Wann die geplante Fusion der Streifen mit dem allgemeinen Ordnungsdienst gelingt, sei angesichts der Haushaltssperre allerdings offen. Eine sechsstellige Summe würden neue Uniformen, eine zentrale Leitstelle und zusätzliche Fahrzeuge kosten.

An der Sicherheit im öffentlichen Raum dürfe dennoch nicht gespart werden. „Das Thema steht für mich an erster Stelle“, sagt Kromberg. Andere ordnungsrechtliche Aufgaben sind auf das gesetzlich Notwendige zu beschränken. Arbeitseffizienz sei das Stichwort und eine neue Form der Zusammenarbeit mit privaten Sicherheitsdiensten angesagt. „Etwa für Kontrollen in öffentlichen Parks oder die Ausbildung städtischer Mitarbeiter kann ich mir Private vorstellen“, sagt Kromberg. Voraussetzung sei jedoch das Definieren von „ganz klaren Grenzen“, die dort enden, wo die Hoheitsbefugnisse der Stadt beginnen.

Minimum an Regeln beachten

Die ersten Gespräche mit Anbietern haben bereits stattgefunden, nun gelte es „die Spreu vom Weizen zu trennen“ und einen „Runden Tisch Sicherheit zu installieren“, an dem die Polizei, das Ordnungsamt, das Sozial- und Schulamt, der Handel und dessen Interessenvertreter Platz finden sollen. Gewinnen will Kromberg auch Geschäftsleute und Gewerbetreibende in den Quartieren, die zusammen werfen könnten, um sich die Sicherheit vor ihrer Ladentür garantieren zu lassen. In dem Maße, in dem bei der Stadt das Geld weniger wird, wächst das Gefühl für die Notwendigkeit, den Dialog über eine sichere Stadt führen zu müssen. Die Kommune, so Kromberg, trete dabei als Moderator eines Prozesses auf und übernehme koordinierende und kontrollierende Aufgaben. „Das ist eine Einladung zur Debatte.“

Das Ordnungsamt soll in Kürze ein Sicherheitsmanagement auflegen, dass auch soziale Aspekte berücksichtigt. Denn in einem sind sich Kromberg und Sozialdezernent Peter Renzel einig: Durch Repression allein lassen sich solche Szenen wie am Willy-Brandt-Platz, am Kopstadtplatz oder auch an der Marktkirche allenfalls verdrängen – gemindert werden können die Probleme nur mit flankierenden Hilfen. Für Kromberg ist klar: „Für die Einen gilt es, ein Minimum an Regeln zu beachten. Und die Mehrheit der Stadtgesellschaft muss mehr Toleranz gegenüber Randgruppen entwickeln.“ Toleranz „im Sinne des Ertragens eines Andersseins. Man sollte doch nicht so tun, als ob wir alle gleich wären.“

 
 

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