An der Parteibasis der SPD in Essen rumort es

Marcus Schymiczek
Essens Oberbrügermeister Reinhard Paß will offenbar seinen eigenen Weg gehen.
Essens Oberbrügermeister Reinhard Paß will offenbar seinen eigenen Weg gehen.
Foto: Kerstin Kokoska/ WAZ FotoPool
Unverständnis und Bedauern empfinden die Mitglieder der SPD-Ortsvereine in Essen über die Entscheidung von Oberbürgermeister Reinhard Paß. Der will nicht schon 2014 gemeinsam mit der Partei bei der Kommunalwahl antreten sondern einen späteren Termin für die Oberbürgermeister-Wahl.

Essen. Es rumort an der Basis. Und wie. Mit seiner einsamen Entscheidung, seine sechsjährige Amtszeit vollends auszuschöpfen und nicht schon 2014 gemeinsam mit seiner Partei bei der Kommunalwahl anzutreten, hat Oberbürgermeister Reinhard Paß sich in den eigenen Reihen nicht beliebt gemacht.

Wer sich umhört in den Ortsvereinen zwischen Karnap und Kettwig, stößt meist auf Unverständnis und Bedauern. Das sind die freundlichen formulierten Reaktionen. Andere nehmen kein Blatt vor den Mund. So wie Essens ehemalige Oberbürgermeisterin Annette Jäger, Vorsitzende des SPD-Ortsvereins Heisingen: „Ich kenne Reinhard Paß seit über 30 Jahren und bin menschlich doch sehr enttäuscht. Ich denke, er hat seiner Partei geschadet.“

Einmündig aber letztlich vergebens hatte der Vorstand um Parteichef Dieter Hilser versucht, Paß noch einmal umzustimmen. Das Signal, das Paß aussendet, nennt Theo Jansen, Ortsvereinsvorsitzender in Altenessen, verheerend. „Wir sparen an allen Ecken und Enden, aber für eine zweite Wahl ist Geld da?“ Den Bürgern sei dies nicht zu vermitteln. Hatte der OB nicht den Haushaltsausgleich ganz oben auf die Agenda gesetzt?

Politische Gegner könnten den Widerspruch im Wahlkampf ausschlachten

Jansen hat schon vor Augen, wie das Viererbündnis diesen Widerspruch im Wahlkampf genüsslich ausschlachten wird. Die eigenen Genossen zu mobilisieren, dies dürfte hingegen noch schwerer werden, gerade in Altenessen, wo Paß 2009 noch auf Platz eins der Reserveliste für den Rat kandidiert hatte. Dennoch: So richtig warm geworden sind sie in Altenessen mit Paß nie. „Es war ja nicht sein erster Alleingang“, sagt Jansen und erinnert daran, dass der OB mit seiner Haltung pro A-52-Ausbau den Ortsvereinen im Norden in den Rücken gefallen sei.

Nun dürfte es erst recht „relativ schwierig“ werden, die eigenen Leute dafür zu gewinnen, auch 2015 wieder Plakate zu kleben, formuliert Christian Roob, Vorsitzender des Ortsvereins Bergeborbeck, vergleichsweise zurückhaltend. Selbst in Paß’ Ortsverein in Stadtwald hätten sie sich gewünscht, ihr stellvertretender Vorsitzender hätte sich anders entschieden. „Wir sind schließlich diejenigen, die den Wahlkampf machen“, sagt der Vorsitzende Gerhard Barnscheidt.

Einige SPD-Mitglieder finden Kritik an Oberbürgermeister Paß ungerecht

Andere respektieren die Entscheidung des OB, auch wenn sie diese persönlich bedauern. Es sei das gute Recht des Amtsinhabers über die volle Amtszeit zu gehen, meint Wolfgang Spellmeyer, Vorsitzender der SPD-Burgaltendorf. Dass Paß nun für seinen Weg so viel Kritik einstecken müsse, empfindet Spellmeyer ungerecht. Seine Kritik richtet sich eher an den Parteivorstand. Der hätte das Ganze viel früher klären müssen.

Nun ist es zum offenen Zerwürfnis gekommen. Hinterlässt das nachhaltig Spuren, kommt es gar zum offenen Bruch zwischen dem OB und seiner Partei? Ingo Lingenberg, Vorsitzender des Ortsvereins Rüttenscheid will so weit nicht gehen. Unglücklich nennt er Paß’ Entscheidung. „Die SPD ist aber die Partei, die sich durch Solidarität auszeichnet.“ Auch gegenüber dem eigenen OB.

Gar kein Problem mit Paß’ Entscheidung hat Jöran Steinsiek, Vorsitzender der Kettwiger SPD. „Es ist richtig, wenn der OB sagt: Erst die Stadt, dann die Partei.“ Unprofessionell, ja „erschütternd“ findet Steinsiek, die Reaktionen von SPD-Chef Dieter Hilser und Fraktionschef Rainer Marschan. „Diesen Streit so offen auszutragen schadet der Partei letztlich mehr.“