Alter Meister für die Magdalenen-Kapelle

Foto: Essen

Die Magdalenen-Kapelle am Schloss Baldeney erhält ein neues Altarbild. Über viele Monate haben der Autodidakt Professor Jörg Bertrams und der auf altmeisterliche Malerei spezialisierte Künstler Frank Burkamp das um 1480 entstandene Gemälde „Maria Magdalena begegnet dem Auferstandenen“ von Martin Schongauer meisterlich kopiert. Das weltberühmte Originalbild befindet sich im Unterlinden-Museum im elsässischen Colmar.

Dem Johannes-Evangelium zufolge begegnet Maria Magdalena in der Nähe des leeren Grabes als erste dem Auferstandenen, erkennt ihn aber erst, als Jesus sie mit ihrem Namen anspricht. Auf ihren Versuch, ihn zu umarmen, reagiert er mit dem sprichwörtlich gewordenen Ausspruch „Noli me tangere“ (Berühr‘ mich nicht) und begründet seine Distanz damit, er sei noch nicht zum Vater aufgefahren. Maria Magdalena aber wird zur ersten Zeugin und Verkünderin der Auferstehung.

Mittelalterliche Malerei studiert

Die Idee, der Magdalenen-Kapelle zu diesem bemerkenswerten Altarschmuck zu verhelfen, stammt vom Essener Immunologen und Chefarzt Jörg Bertrams: „Ich habe mich in der Kapelle oft gefragt, wo ist eigentlich die Magdalena?“ So beschloss der Bredeneyer letztes Jahr, der Namensgeberin einen Ehrenplatz über dem Altar zu verschaffen. Für sein ambitioniertes Vorhaben gewann der leidenschaftliche Hobbymaler („Ich hätte das niemals alleine gekonnt!“) als echten „Profi“ den am Bochumer Schauspielhaus tätigen Kunstmaler Frank Burkamp. Er hat in Rom mittelalterliche Malerei studiert und kennt daher die seinerzeit verwendeten Techniken und Werkstoffe.

Das fertige Altarbild, das die beiden nach „Originalrezepten“ in mühevollen und engagierten Stunden im Kettwiger Atelier Burkamps in mehreren Farbschichten auf spezielles belgisches Leinen malten und im Hintergrund mit Blattgold ausstatteten, ist deshalb weit mehr als eine bloße Kopie von Schongauers Original. Vor allem die Farbgebung ist dem mittelalterlichen Vorbild in Colmar in ihrer Professionalität auf geradezu verblüffende Weise nachempfunden.

Die erstmals 1337 erwähnte Magdalenen-Kapelle am Ufer des Baldeneysees ist ein wahres Kleinod, das der Lionsclub Essen-Baldeney saus Spenden seiner Mitglieder und mit eigenen Kräften restauriert hat und seit vielen Jahren in Schuss hält. Seither finden dort ökumenische Gottesdienste, aber auch Hochzeiten und kleine Konzerte statt. Ihr 116 mal 87 Zentimeter großes Altarbild haben Bertrams und Burkamp dem Lionsclub zum Geschenk gemacht.

Der Werdener Domkapitular und Propst Jürgen Schmidt wird das neue Altarbild am 16. August um 18 Uhr in einem Gottesdienst einsegnen. Gäste sind in der Magdalenen-Kapelle herzlich willkommen.

 
 

EURE FAVORITEN