Alles so schön bunt hier

Angela Merkel hat an diesem Abend auch ein Stelldichein. Gesehen hat sie die Folkwang-Ausstellung „Farbenrausch – Munch, Matisse und Expressionisten“ zwar schon vor Wochen. Aber beim „Rendez-vous“ mit Hunderten Studierenden des Landes wird die Kanzlerin am Donnerstagabend noch einmal herbeizitiert. Als souveränes Beispiel weiblicher Verhüllungskunst, während die ausgehängten Damen im Saal doch recht offensiv mir ihren Reizen spreizen.

Haribo macht Künstler froh

Kirchners nackiges „Mädchen unter Japanschirm“ oder Pechsteins „Sitzendes Mädchen“ können eben auch mal Thema eines witzigen Science Slam sein oder zwei Literaturwissenschaftler der Uni Duisburg-Essen zu der eigenwilligen Frage verleiten, wer denn hier wohl bei wem diese hinreißende Hüftgold-Rundung abgekupfert hat. Auf solche Dinge muss man als angehender Akademiker heute eben ein Auge haben.

Überhaupt wurde die Kunst an diesem Abend mal ganz anders betrachtet. Durch die bunten Brillen beispielsweise, die die 80 am Projekt beteiligten Studierenden in der Ausstellung verteilten. Ein Semester lang hatten sich die verschiedenen Hochschul-Teams in Seminaren auf den Abend vorbreitet.

„Die haben richtig geschuftet“, erzählt Kuratorin Heike Kropff, die das gefragte Format schon zum vierten Mal anbietet. Und annähernd 800 Studenten aus Essen, Bochum und Düsseldorf folgten der Einladung, für einen langen Ausstellungsabend mal ein bisschen „unter sich“ zu sein. So jung ist das Museum selten, so experimentierfreudig auch. Wer mochte, konnte sich von Nolde beschirmen lassen oder den Expressionismus als interaktive Performance mit Jazzgitarre und Trompete erleben. Ausgesprochen appetitlich serviert wurde der Kunstgenuss auch in kunterbunter Haribo-Form, der nach kurzer Zeit allerdings schon große Farblücken aufwies.

Derweil geht die Farbenrausch-Schau im Museum Folkwang aufs Finale zu: 185 000 Gäste haben die Sonderschau nach Angaben des Museums inzwischen gesehen. In der kommenden Woche will man den 200 000. Besucher im Folkwang begrüßen, bevor die Ausstellung am 20. Januar zu Ende geht.

Mit dem „schönsten Museum der Welt“ hatte man im Kulturhauptstadtjahr 2010 zuletzt 336 000 Besucher in den grandiosen Chipperfield-Bau gelockt.

 
 

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