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Alle jubeln über die Badestelle am Baldeneysee - darum ist das ziemlich übertrieben

Richtiges Badewetter gab es nur an rund 20 von 47 Badetagen in diesem Jahr.
Richtiges Badewetter gab es nur an rund 20 von 47 Badetagen in diesem Jahr.
Foto: Funke Foto Services
  • Die Stadt jubelt: An 47 von 111 Tagen konntest du am Baldeneysee baden
  • Doch das Wetter machte nur in den wenigsten Fällen mit
  • Dabei wären eigentlich sogar 100 Badetage drin gewesen, sagt der Ruhrverband

Essen. Die Badestelle am Baldeneysee ist Grüne Hauptstadt pur. Bereits zu Beginn des Öko-Jahres waren die Litfaßsäulen mit der Badeaufforderung plakatiert, da standen noch nicht einmal die Stege am Sea-Side-Beach. Kein Wunder, dass das Prestigeobjekt nun zur endgültigen Bilanz von allen Seiten hochgelobt wird.

Oberbürgermeister Thomas Kufen spricht gar von einem „Wunder", dass nun in der Ruhr wieder geplanscht werden darf. Recht hat er da. Vielleicht. Doch wenn du etwas genauer auf die Zahlen dieses Badesommers blickst, macht sich doch etwas Ernüchterung breit:

7700 Leute badeten in der Ruhr. Ein voller Erfolg. Nur, sind das wirklich viele? Viereinhalb Monate hatte die Badestelle geöffnet. Ende Mai bis Mitte September. Im gleichen Zeitraum badeten im Freibad in Steele in den letzten Jahren zwischen 20.000 und 30.000 Menschen.

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Richtig gezählt werden konnten die Besucher an der Badestelle nicht. Schließlich war die Schwimmstelle nur ein Bonus auf den Sea-Side-Beach-Besuch. Die Badegäste werden lediglich geschätzt, das wurde bereits bei der Eröffnung der Badestelle so kommuniziert. „Wir haben uns bewusst keine Gästeanzahl gesetzt", heißt es darüber hinaus aus dem Grünen Hauptstadtbüro. So werden Ziele immerhin nicht verfehlt.

47 Badetage gab es diesen Sommer. Bei 111 möglichen Tagen klingt das eigentlich prima. Allerdings: Das vom Ruhrverband installierte Frühwarnsystem guckt nur auf die potenzielle Wasserverschmutzung, nicht auf die Temperatur. Wir haben uns die für die letzten Monate einmal angeschaut. Und schon werden die Tage, an denen du wirklich Lust auf Baden gehabt hast, immer weniger.

Nur 20 warme Tage

26 Grad Celsius und mehr als Tagesspitzenwert - also richtig gutes Schwimmbadwetter - gab es hingegen nur an 20 Tagen von den 47 Badetagen. Klar, für das Wetter kann die Stadt nichts. Doch mit diesem Hinweis liest sich die Bilanz doch deutlich bescheidener.

Richtig ärgerlich wird die Badethematik erst, wenn man sich die tatsächlichen Messwerte des Frühwarnsystems anschaut. Zur Erinnerung: Baden im Baldeneysee war immer dann verboten, wenn es an einer Messstation mehr als fünf Millimeter Regen gegeben hatte. Das ist ein Hinweis auf Wasserverschmutzung, sagt aber nichts über die tatsächliche Belastung aus. Es dauerte dann jeweils drei Tage, bis Proben genommen und das Schwimmen wieder freigegeben werden konnte. Der Ruhrverband hat die Ergebnisse der Wasserproben nun veröffentlicht.

Das Fazit: Gerade einmal an 10 Tagen wurden die kritischen Werte an intestinalen Enterokokken und Escherichia coli, die für Magen-Darm-Erkrankungen ursächlich sein können, überschritten. Eigentlich hättest du also an 101 Tagen - völlig unbedenklich - Baden gehen können. Und dann wäre auch der ein oder andere 26 Grad-Badetag mehr dabei gewesen. (ds)

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