Aldi, Lidl und Co.: Harte Entscheidung für Kassierer – „Das ist Gier ohne Scham!“

Deshalb gibt es den Aldi-Äquator
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Sie sind eines der wichtigsten Zahnräder, um das durch die Corona-Krise ins Stocken geratene Deutschland überhaupt noch am Laufen zu halten: Die Menschen, die bei Aldi, Lidl, Rewe, Edeka und Co. an den Kassen sitzen oder Waren einräumen.

Im gesamten Land zollen Bürger ihren Respekt für die, die für ein Gehalt im Niedriglohnbereich tagtäglich ihre Gesundheit aufs Spiel setzen und uns mit Lebensmitteln, Klopapier oder Drogerieartikeln versorgen. Doch mit Respekt allein lässt sich auch bei ihnen nicht die Miete bezahlen, das Auto volltanken oder der Kühlschrank füllen.

Die Forderung nach einer Gehaltserhöhung und Boni-Zahlungen für Angestellte von Aldi, Lidl und Co. wird lauter. Der jüngst geäußerte Vorschlag des Handelsverbands Deutschland sorgt deswegen bei Politikern und Arbeitnehmervertretern für Wut.

Aldi, Lidl und Co.: Keine Gehaltserhöhung für Kassierer

Eigentlich sollte die Gehaltserhöhung für Mitarbeiter bei Aldi, Lidl, Edeka und anderen Lebensmittelgeschäften im April oder Mai kommen. Ganz unabhängig vom Coronavirus. Die Erhöhung war schon 2019 im Rahmen neuer Tarifverträge ausgehandelt worden. Wobei das Wort Erhöhung vielleicht sogar schon selbst zu hoch gegriffen ist.

Gerade einmal 35 Euro Brutto hätte es für Berufsanfänger gegeben. Statt 1923 Euro hätte es dann 1958 Euro im ersten und zweiten Berufsjahr gegeben – bei Vollzeitarbeit. Netto bleiben davon je nach Steuerklasse etwa zwischen 1100 und 1400 Euro übrig. Nun es nach einem Vorstoß des Handelsverbands Deutschland auch das nicht geben.

Der Handelsverband Deutschland (HDE) ist mächtig. Wohl die einflussreichste Organisation des deutschen Einzelhandels überhaupt. Er vertritt 400.000 selbstständige Unternehmen deren Umsatz über 420 Milliarden Euro beträgt. Neben Branchenführern aus dem Lebensmittelhandel wie Aldi, Lidl, Edeka oder Rewe sind dort auch viele mittelständischen Unternehmen beispielsweise aus dem Textilhandel vertreten.

HDE stellt sich gegen Tarifvertrag

Weil viele von ihnen schließen mussten und ihre Mitarbeiter nur noch Kurzarbeitergeld ausgezahlt bekommen, soll nach Plänen des Handelsverbands Deutschland die tariflich vereinbarte Lohnerhöhung verschoben werden und das Geld zur Aufstockung des Kurzarbeitergeldes zu nutzen. Der Aufschub gelte dann allerdings für alle Branchen. Das Träfe auch die Berufsanfänger an der Aldi-Kasse.

„Kein Unternehmen, das wegen der Ladenschließungen Kurzarbeit in Anspruch nehmen muss, profitiert davon in wirtschaftlicher Hinsicht. Es geht hier ausschließlich um Schadensbegrenzung“, so HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth.

„Das ist Gier ohne Scham“

Erst wenige Tage zuvor hatte Merkel die Angestellten schließlich mit dem Passus „systemrelevant“ versehen. Auch Jens Spahn hatte ihnen für ihren Einsatz gedankt.

Eine erste Einordnung des HDE-Vorstoßes aus der Politik ließ folglich nicht lange auf sich warten. SPD-Politiker Karl Lauterbach schrieb sichtlich erbost auf Twitter: „Das ist Gier ohne Scham. Die Einzelhändler machen das Geschäft ihres Lebens. Die Kassiererin riskiert dafür ihr Leben. Und mehr Lohn soll es erst später wenn überhaupt geben. Rewe, Edeka und Lidl verstecken ihre unmoralische Haltung hinter einem Handelsverband.“

Das Gefühl dass sich breit macht: Mehr als einen symbolischen feuchten Händedruck sind den Lebensmittelgeschäften ihre Angestellten nicht wert.

Verdi kritisiert Vorstoß scharf

Auch Verdi hat die Vorstellungen des Handelsverbands in einer Stellungnahme scharf kritisiert. „Damit lehnt der HDE die tarifpolitische Verantwortung ab und verweigert hunderttausenden Beschäftigten den existentiellen Schutz“, heißt es von Verdi-Bundesvorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger. Das Kurzarbeitergeld in anderen Einzelhandelsbranchen stürze zudem viele Angestellte in eine existenzbedrohende Notlage.

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Die vom HDE ins Spiel gebrachte Regelung zur Absenkung der Einkommen der Einzelhandelsbeschäftigten sei der „durchsichtige Versuch“, geltende Tarifverträge auszuhebeln, kritisiert die Verdi-Sprecherin. (dav)

 
 

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