Essen

Alarmierende Zahl: 6000 Essener gehen regelmäßig zur Tafel - Wie die Politik dieses Problem bekämpfen will

Auch bei der Bochumer- Tafel bleiben die Schlangen lang. In Bochum und Essen sind viele Menschen auf den Besuch bei der Tafel angewiesen. Doch wie will die Lokalpolitik vor der Wahl dem Problem entgegen wirken?
Auch bei der Bochumer- Tafel bleiben die Schlangen lang. In Bochum und Essen sind viele Menschen auf den Besuch bei der Tafel angewiesen. Doch wie will die Lokalpolitik vor der Wahl dem Problem entgegen wirken?
Foto: FUNKE Foto Service
  • Rentnerin (76) kritisiert in ARD-Tagesthemen die Armut in Essen
  • Die Tafel in Essen sagt: „Nicht nur Rentner und Hartz-IV-Empfänger, auch junge Leute kommen“
  • Vor der NRW-Wahl: Was sagen Essener Parteien dazu?

Essen. Die Schlangen sind lang, die Anfragen werden immer mehr: Viele Leute in Essen sind auf die Tafel angewiesen.

„Das ist schon heftig, dass 6000 Leute zur Tafel kommen“ sagt Rita Nebel, Vorstandsmitglied der Essener Tafel.

„Schockierende Zahl“

Sogar die Tagesthemen nehmen Essen in der letzten Woche als Beispiel für Armut und Bedürftige, die von der Tafel abhängig sind. Rentnerin Margret Jäger (76) beschwert sich öffentlich in der ARD: „Das war schon schockierend, wie die alten Leute da an ihrem Rollator hängen und verzweifelt darauf warten, dass sie ein paar Karotten oder Kartoffeln bekommen.“

Nicht nur Rentner und Hartz IV-Empfänger: Auch junge Leute kommen

Rita Nebel ergänzt: Nicht nur Rentner und Hartz-IV-Empfänger, auch junge Leute sind betroffen.„20 Prozent der Menschen, die zur Essener Tafel kommen sind unter 30 Jahre alt.“ Sie weiß auch: In anderen Ruhrgebietsstädten sind die Zahlen ähnlich hoch.

Eine krasse Zahl, über die sich so keine Essener-Partei bewusst war. Doch haben sie fünf Wochen vor der Wahl Lösungsmöglichkeiten, um die Zahl zu reduzieren? DER WESTEN hat nachgefragt.

Gönül Eglence (Grüne): „Eine Schande für Deutschland“

Die Tafel-Situation war der Grünen-Politikerin Gönül Eglence nicht neu: „Ich wohne in der Nähe vom Wasserturm, also in der Nähe der Tafel. Mittwochs, wenn ich daran vorbeifahre und diese lange Schlange sehe, verstehe ich die Welt nicht mehr. Wir sind so ein reiches Land. Und dann so etwas: Das ist eine Schande für Deutschland.“ Der erste Schritt für Eglence: Die Caritas sollte besser unterstützt und die Grundsicherung erhöht werden.

Hans-Peter Schöneweiß (FDP): „Leute müssen mehr dazuverdienen können“

„Bei der Hartz-IV-Gruppe müssen die Möglichkeiten, sich selbst etwas dazu zu verdienen, verbessert werden.“ Hilfe zur Selbsthilfe sei hier angesagt: Ein Hartz-IV-Empfänger müsse dazuverdienen dürfen, ohne dass es mit dem Hartz-IV Satz verrechnet werden würde. Außerdem setzt die FDP auf Bildung und Weiterbildung für Jung und Alt, damit Essener erst gar nicht in diese Situation kommen.

Michael Steinmann (Linke): „Ein Riesenskandal, der Staat müsste sich kümmern“

Michael Steinmann, Pressesprecher des Essener Kreisverbandes der Linken, sieht die Zahl sofort als Beweis dafür, dass das „Gerede“, wie gut es uns allen geht, so nicht stimmen könne: „Die Zahl steigt schon seit einiger Zeit immer weiter an. Das ist ein Riesenskandal und der Staat müsste sich kümmern.“ Als Mittel will er sich für eine Erhöhung des Hartz-IV-Satzes einsetzen. Außerdem sollen mehr Arbeitsplätze bei der Stadt geschaffen und weniger Sanktionen für Hartz-IV-Empfänger ausgesprochen werden.

Dirk Kalweith (CDU): „6.000 Leute? Die Zahl war mir nicht präsent

„6.000 Leute? Die Zahl war mir nicht präsent, doch wir stehen mit Sozialverbänden in Verbindung“, sagt Dirk Kalweith, sozialpolitischer Sprecher der CDU-Geschäftsstelle. Die Essener CDU hält sich mit einem konkreten Statement zurück und verweist auf ein aktuelles Programm: Das tritt für einen sozialen Arbeitsmarkt ein. Die CDU will damit vor allem Langzeitarbeitslose wieder in Beschäftigung bringen. 215 Personen sind bisher im Programm. Auch Kalweith sieht: Bei allein 6.000 Bedürftigen, die zur Tafel gehen, klingt das wie ein Tropfen auf den heißen Stein. Doch ein Anfang sei damit getan.

Karlheinz Endruschat (SPD): „Viele haben keine abgeschlossene Berufsausbildung“

36 Jahre lang war er Bewährungshelfer. Heute ist Karlheinz Endruschat Vorsitzender bei der Essener-SPD. Er kennt das Problem von innen: „Armut muss bekämpft werden. In Essen haben viele junge Leute keine abgeschlossene Berufsausbildung.“ Darum müsse man bei frühkindlicher Bildung ansetzen, um das Problem zu bekämpfen. Der Mindestlohn müsse ausgedehnt und Zeitarbeit eingeschränkt werden.

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