Akuter Engpass bei Rettungsschwimmern gefährdet Badebetrieb

Verzweifelt gesucht: Nicht nur beim Stammpersonal gibt’s Lücken in den Freibädern, insbesondere Rettungsschwimmer werden gesucht.
Verzweifelt gesucht: Nicht nur beim Stammpersonal gibt’s Lücken in den Freibädern, insbesondere Rettungsschwimmer werden gesucht.
Foto: WAZ FotoPool
  • Kurz vor Beginn der Freibadsaison schlagen die Bäderbetriebe Alarm
  • Schlimmstenfalls müssen sogar Freibäder geschlossen werden
  • 53 Saisonkräfte werden gesucht, doch bislang wurden erst zehn gefunden

Essen. Genau 53 Rettungsschwimmer sucht die Stadt zum Start der Freibadsaison, deren normaler Ablauf nach Aussagen der städtischen Bäderbetriebe wegen des Personalmangels in großer Gefahr ist. Die Lage sei in diesem Jahr so dramatisch, dass der Betrieb in den beiden Kombibädern Oststadt und Kettwig akut auf der Kippe stehe. „Wenn sich der Personalengpass nicht beheben lässt, müssen beide Freibäder schlimmstenfalls schließen“, warnt Kurt Uhlendahl, Leiter der Abteilung Bädermanagement.

Die Ebbe beim Rettungspersonal kam nicht über Nacht, es sei eine schleichende Entwicklung gewesen. Schon seit zehn Jahren werde es schwieriger, Saisonkräfte zu gewinnen. Doch so schlimm wie in diesem Jahr war es noch nie.

Regulär suchen die Bäderbetriebe 33 Rettungsschwimmer als Saisonkräfte, doch seit dem Ansturm von Flüchtlingen – die allermeisten von ihnen sind Nichtschwimmer – ist auch in den Freibädern gar nichts mehr regulär. „Wir benötigen deshalb zusätzlich 20 Rettungsschwimmer, um die Sicherheit der Flüchtlinge zu gewährleisten“, betont Uhlendahl. Wie brisant die Lage ist, zeigt die Beinahe-Tragödie im Hauptbad, wo ein Schwimmmeister drei ertrinkende Flüchtlinge aus dem Wasser zog. Sie hatten – entgegen der strengen Ermahnung – die Leine ignoriert, die den Schwimmer- vom Nichtschwimmerbereich trennt. Uhlendahl: „Unser Personal war noch nie so oft im Wasser wie in den letzten Monaten.“

Lücken beim Stammpersonal

Fürs Grugabad und die beiden Kombibäder sind bis jetzt erst zehn Arbeitsverträge abgeschlossen worden. Um die klaffende Lücke zu füllen, schalten die Bäderbetriebe jetzt wieder Stellenanzeigen – auf der Homepage der Stadt, aber auch in den sozialen Netzwerken, bei Facebook, Twitter und Instagram. Verschärft wird die Personalmisere durch Lücken beim Stammpersonal. Aktuell werden drei Schwimmmeister gesucht.

Seit jeher bildet die Deutsche Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) die meisten Rettungsschwimmer aus. Doch bei der DLRG Personal auszuleihen, ist unrealistisch. Sie braucht ihre Leute selbst – insbesondere für die aufwändige Wasserrettung am Baldeneysee, an der Ruhr und an den Kanälen.

Hellhörig wurden die Bäderbetriebe neulich, als sie von der Rettungsschwimmer-AG am Grashof-Gymnasium erfuhren. Zwölf angehende Abiturienten hatten im neuen Bad am Thurmfeld erfolgreich das Rettungsabzeichen in Silber erlangt. Doch kein einziger von ihnen wird in dieser Saison am Beckenrand aushelfen können. „Sie sind erst 17“, zuckt Uhlendahl die Achseln. Saisonkräfte (Anfang Mai bis Ende August) müssen nämlich nicht nur das Silber-Abzeichen tragen, sondern auch volljährig sein. Bei dem Job handelt es sich um eine sozialversicherungs- und steuerpflichtige Tätigkeit, die mit einem Stundenlohn von 12,30 Euro netto bezahlt wird. Minijobs sind nicht möglich. Die Mindestarbeitszeit beträgt 19,5 Stunden, an heißen Tagen handelt es sich de facto um eine volle Stelle.

Dass die Freibäder Hesse und Steele von der Rettungsschwimmer-Misere verschont bleiben, hat einen einfachen Grund. Die vereinsgeführten Bäder setzen bevorzugt Honorarkräfte ein und sind dadurch weitaus flexibler.


 
 

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