Aktenzeichen XY enthüllt neues Detail im Fall Pierre Pahlke

Gerd Niewerth
Mehr als 80 Hinweise sind nach der Ausstrahlung zum Vermisstenfall Pierre Pahlke bei "Aktenzeichen XY" bei der Polizei in Essen eingegangen.
Mehr als 80 Hinweise sind nach der Ausstrahlung zum Vermisstenfall Pierre Pahlke bei "Aktenzeichen XY" bei der Polizei in Essen eingegangen.
Foto: Archiv
Die ZDF-Sendung "Aktenzeichen XY ungelöst" berichtete vor einem Millionenpublikum über das aufwühlende Schicksal des seit acht Monaten vermissten Pierre Pahlke. Ein Detail ist dabei neu: Pierre wurde zum letzten Mal in einem Penny-Markt gesehen. 80 neue Hinweise kamen nach der Sendung.

Essen. Die ZDF-Fernsehfahnder von „Aktenzeichen XY ungelöst“ haben dem erschütternden Vermisstenfall „Pierre Pahlke“ bundesweite Aufmerksamkeit verliehen. Nach der Ausstrahlung des Spezials „Wo ist mein Kind?“ am Mittwochabend gingen fast 80 Hinweise ein, davon allein 35 im Fernsehstudio in München. Aktenzeichen XY-Chefredakteurin Ina-Maria Reize-Wildemann: „Wir haben im Fall Pierre mit Abstand die meisten Anrufe.“

Auch wenn offenbar niemand den Aufenthaltsort des seit acht Monaten vermissten 21-Jährigen nennen konnte, ist Kriminalhauptkommissar Ralf Menkhorst aus Essen zufrieden: „Mit so viel Resonanz habe ich nicht gerechnet.“

Pierre Pahlke wurde zum letzten Mal im Penny-Markt gesehen

Neu ist zumindest für Zuschauer aus dem Ruhrgebiet ein nicht unwichtiges Detail. Nach XY-Recherchen ist Pierre, der seit dem Sommer 2012 im Wohnheim „Heimstatt Engelbert“ lebte, zum letzten Mal am 17. September zwischen 19.15 und 20 Uhr im Penny-Markt auf der Langemarckstraße gesehen worden. Bisher hatte es stets geheißen, er sei um 19 Uhr im Netto-Markt auf der Hubertstraße gewesen und danach verschwunden.

XY-Moderator Rudi Cerne schilderte in der 90-Minuten-Sendung vier spektakuläre Vermisstenschicksale. Im Studio interviewte er Pierres Vater Frank, die Stiefmutter Manuela Pahlke-Lischka und Kommissar Menkhorst.

Obwohl die in Gladbeck lebende Familie inzwischen mit dem Schlimmsten rechnen muss, nämlich dass Pierre von seinen Peinigern verschleppt und womöglich getötet wurde, bleibt Frank Pahlke zuversichtlich. „Wir denken, dass er noch lebt und dass ihm nichts Schlimmes passiert ist.“

Angehörige brachten ungeheure Kraft auf

Im Zuschauerraum saß auch die Großmutter, die Pierre nach dem Tod seiner leiblichen Mutter bei der Geburt liebevoll aufzogen hatte. Auch als der erwachsene Pierre in die Heimstatt Engelbert kam, verbrachte er so manches Wochenende bei seiner geliebten Oma. Für sie ist Pierres Verschwinden ein neuerlicher Schicksalsschlag, der ihr seelisch und körperlich besonders nahe geht. Obwohl am Rande der Erschöpfung brachte die kämpferische Frau die ungeheure Kraft auf und fuhr ihrem Enkel zuliebe mit ins Fernsehstudio.

Dort richtete Kommissar Menkhorst einen ergreifenden Appell an die mutmaßlichen Entführer. Er betonte, dass Pierre aufgrund seiner Behinderung „ein sehr schlechter Zeuge“ sei - und gab den Peinigern damit zu verstehen: Ihr könnt ihn ruhig laufen lassen, er wird euch ohnehin nicht verraten können.

Die Großmutter kam in einem vorab aufgezeichneten Interview zu Wort. Sie sagte über Pierre: „Ich wünsche mir, dass er morgen, egal wie, nach Hause kommt, das wäre das größte Geschenk. Wir würden ihn schon wieder aufpäppeln.“ Eltern und Großeltern haben zusammen 15 000 Euro Belohnung ausgesetzt. „Sie waren nach der Sendung erleichtert und werden nicht locker lassen“, berichtet Kommissar Menkhorst.