Essen

Abzocke mit Rumänen: Essener Firma erschleicht Sozialleistungen in Millionenhöhe

Die drei Angeklagten und ihre Verteidiger.
Die drei Angeklagten und ihre Verteidiger.
Foto: Dominik Göttker
  • Ein Trio soll über mehrere Jahre Rumänen Arbeitsverträge gegeben haben, ohne sie zu bezahlen
  • Vor Gericht schweigen zwei der drei Männer
  • Der Schaden ist immens

Essen. Es war ein riesiger Betrug, der seit Dienstag am Landgericht Essen verhandelt wird. Allein die Anklageverlesung dauerte siebzig Minuten.

Drei Männer aus Essen, Gelsenkirchen und Neukirchen-Vluyn sollen zwischen April 2014 und November 2016 mindestens 81 rumänischen Staatsangehörigen Arbeitsverträge gegeben haben. Der Clou bei der Sache - so hält es ihnen zumindest die Staatsanwaltschaft vor - sie haben die Rumänen nie beschäftigt.

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Ihnen wird vorgeworfen, die Männer und Frauen einzig und allein eingestellt zu haben, damit diese ergänzende Sozialleistungen beantragen und einen Teil davon an das Betrüger-Trio weiterleiten können.

Der Schaden ist immens: 1.291.256,79 Euro.

Nur einer ließ sich ein

Vor Gericht zeigten sich die Männer wortkarg. Zwei wollten sich nicht einlassen. Nur der Essener Ismail G. (55) sagte etwas zu den Vorwürfen.

Ein Mittelsmann habe die Rumänen nach Deutschland gebracht. Sie sollten bei der Gerüstbau-Firma der drei Männer arbeiten. Auf die Frage des Richters hin, wie viele man denn für die insgesamt fünf Baustellen benötigte, antwortete G: „So etwa 20.“

Trio verlangt Vermittlungsgebühr für Arbeitsvertrag

Unklar war an dem Punkt, was mit den anderen 60 Personen gewesen sei. Erst nach mehreren Nachfragen äußerte sich der 55-Jährige. „Wir haben die Arbeitsverträge aus dem Internet ausgedruckt. Von jedem haben wir 400 und 450 Euro Vermittlungsgebühr genommen. Dazu dann monatlich 150 Euro. Das war wegen der Sozialleistungen, die wollten wir uns mit den Rumänen teilen.“

Noch später in der Befragung gab er zu, dass die rund 60 Personen nie gearbeitet haben. Sie sollen einzig und allein da gewesen sein, um die Sozialleistungen zu erschleichen und den monatlichen Teil an das Betrüger-Trio weiterzuleiten.

Bis zu zehn Jahre Haft

Ismail G.: „Wir brauchten das Geld für Bedürfnisse, für Fahrzeuge, das Büro, Verluste auf der Baustelle.“ Laut G. habe sich jeder der drei Männer zwischen 200 und 250 Euro wöchentlich in die eigene Tasche gesteckt.

Den Männern droht wegen „gewerbsmäßigen Bandenbetrugs mit Sozialleistungen“ in 81 Fällen eine Haftstrafe zwischen einem und zehn Jahren.

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