Abwanderung von Prostituierten aus Dortmund nach Essen befürchtet

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Wenn der Druck auf die Prostituierten auf dem Dortmunder Straßenstrich weiter steigt, fürchten Polizei und Hilfseinrichtungen eine Abwanderung der Frauen nach Essen. Ein Polizeisprecher: „Wir haben die ersten bulgarischen Damen bei uns festgestellt.“

Essen. Polizei und Hilfseinrichtungen erwarten, dass Prostituierte aus Osteuropa vor dem Druck auf dem Dortmunder Straßenstrich nach Essen ausweichen. Gemeinsam wollen sie „Dortmunder Verhältnisse“ auf dem Kirmesplatz verhindern und die vor zwei Jahren etablierte Einrichtung schützen.

Auf etwa vier Quadratkilometern in der Dortmunder Nordstadt hat sich ein Problemviertel aus bulgarischen und rumänischen Prostituierten, ihren Zuhältern und Familien entwickelt, gegen das eine große Koalition aus Polizei, CDU und SPD jetzt einen Befreiungsschlag führen will. Dortmund Polizeipräsident Hans Schulze ließ seine Einheiten vor zwei Wochen zu einer Großrazzia antreten und fordert öffentlich die Schließung des Straßenstrichs: sofort und ersatzlos. CDU und SPD wollen bei der morgigen Sitzung des Dortmunder Rates eine Ausweitung des Sperrbezirkes auf die ganze Stadt beschließen.

Konkurrenz osteuropäischer Frauen könnte Problem werden

So viel Druck löst Absetzbewegungen aus „Wir haben die ersten bulgarischen Damen bei uns bereits festgestellt“, sagt Polizeisprecher Ulrich Faßbender. „Bei den letzten Kontrollen sind uns Frauen aufgefallen, von denen wir glauben, dass sie aus Dortmund kommen. Die Gefahr einer Verdrängung droht, und wir werden ein Auge darauf haben. Mit einer Verdrängung rechnet auch Janina Znajewski, die beim Sozialdienst katholischer Frauen (SkF) die Frauen auf dem Kirmesplatz betreut. „Die bulgarischen Frauen werden es bei uns ausprobieren. Wir werden eine Zeit lang richtig viel zu tun bekommen.“

Konkurrenz osteuropäischer Frauen, die die bisher gängigen Preise unterbieten, könnte ein Problem werden für die drogensüchtigen Frauen auf dem Kirmesplatz. Und die Polizei hat auch die Kriminalitätsentwicklung im Auge. In Dortmund hat sich im vergangenen Jahr die Zahl der tatverdächtigen Bulgaren und Georgier verdoppelt, die Zahl der Rumänen um 42 Prozent erhöht. Dortmunds Polizeipräsident Schulze legt ihnen dreimal mehr Diebstähle und sechsmal mehr Taschendiebstähle zur Last.

„Verhältnisse wie in Dortmund werden wir zu verhindern wissen“

Die Essener Polizei macht schon jetzt reisende Tätergruppen aus Osteuropa für einen guten Teil der Wohnungseinbrüche, Laden- und Trickdiebstähle in der Stadt verantwortlich. Die Zahl der rumänischen Tatverdächtigen in Essen hat sich 2010 im Vergleich zum Vorjahr fast verdoppelt. Sozialdezernent Peter Renzel sagt: „Ich glaube nicht, dass es eine große Wanderung nach Essen geben wird. Wir werden das aber genau beobachten und mit unseren Kooperationspartnern konsequent Grenzen setzen, wo es notwendig ist.“

„Verhältnisse wie in Dortmund werden wir zu verhindern wissen“, sagt die Sozialarbeiterin Znajewski. „Auf lange Sicht rechnen wir damit, dass der Kirmesplatz für die osteuropäischen Frauen unattraktiv ist, auch wegen der ständigen Sichtkontrolle. In Dortmund sind die ja immer in Ruhe gelassen worden.“ Polizeisprecher Faßbender verspricht: „In Sachen Straßenstrich sitzen wir mit der Stadt in einem Boot.“

 
 

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