Abriss des historischen Essener Reiterstellwerks hat begonnen

Das Reiterstellwerk im Essener Nordviertel wird seit Mittwoch abgerissen.
Das Reiterstellwerk im Essener Nordviertel wird seit Mittwoch abgerissen.
Foto: Hagenbucher
Nach dem Feuer im April stand das Industriebauwerk nur noch als Ruine an der Rheinischen Bahn im Essener Nordviertel. Am Donnerstag begann der Abbruch.

Essen.. Ihm gehörte das Herz der Eisenbahnfreunde, und es sollte eine Landmarke auf dem Ruhrradschnell werden, doch nun ist es – bald – Vergangenheit: Das historische Reiterstellwerk auf der Rheinischen Bahn im Essener Nordviertel wird seit gestern abgerissen. Ein 30-Tonnen-Bagger reißt es seit gestern mit seiner überdimensionalen Kneifzange ab. Viel Widerstand hat er nicht zu überwinden.

Arnd Buckstegge ist einer der Eisenbahnromantiker, die den Wert von geschichtsträchtigen Industriebauten zu schätzen wissen. Seit Tagen beobachtet der Altendorfer bereits die Vorbereitungen zum Abriss des Stellwerks. „Ich habe jeden einzelnen Vorgang fotografiert“, erzählt er. Obwohl auf dem Parkplatz an der Kleinen Stoppenberger Straße schon die Vorbereitungen zum Abriss anliefen, seien noch immer Junkies ins Stellwerk eingebrochen. „Die Polizei musste sie immer wieder ‘rausholen. Aber die sind dann unten raus aus dem Gelände und hinten wieder ein.“

Richtig rund sei es auf dem Gelände auch während der Veranstaltung „Essen original“ gegangen. Da sei besonders der Zaun am Bahndamm beschädigt worden, berichtet Arnd Buckstegge.

Ratten unter Matratzen

Also ist es auch eine Erlösung, dass die Ruine des Stellwerks endlich abgerissen wird. Nach dem bis heute ungeklärten Brand am Morgen des 22. April hatten manche Bürger noch auf den Wiederaufbau gehofft, doch die Deutsche Bahn als Eigentümerin machte schnell klar, dass sie von diesen Plänen wenig hielt. Da halfen auch die klaren Worte von Baudezernent Hans-Jürgen Best nichts mehr. „Das Stellwerk ist ein Unikat und wunderschön“, hatte er die Meinung vieler interessierter Anwohner wiedergegeben.

Die Hoffnung, dass die Denkmalschutzbehörde noch einschreiten würde, trog letztlich auch. Lediglich eine kurze Verschiebung des Abrisstermins verhinderte im vergangenen Monat bereits den Einsatz des Abrissbaggers. Lediglich der Turm neben dem Ausleger konnte leer geräumt werden. „Da wurden alte Matratzen herausgeholt, unter den die Ratten liefen“, ekelt es Arnd Buckstegge noch heute. „Das war nicht mehr schön.“

Nun also macht die Firma Rau (Bielefeld/Duisburg) dem Stellwerk ein Ende. Weil der Damm der Rheinischen Bahn nur schwer zugänglich ist, wollte sie „kleines Gerät“ einsetzen, doch das klappte nicht wie gewünscht. Deshalb ist jetzt der 30-Tonner im Einsatz. Trotz der Größe der Maschine zerlegt Baggerführer Guido Kleinebeckel das Gebäude geschickt. Stahlschrott liegt auf einem Haufen, nebenan wächst der Holzberg, und dazwischen fallen Ziegel und Mörtel in einer großen Staubwolke nieder.

Am morgigen Freitag beginnen Schweißexperten, die verbliebene Stahlkonstruktion „zu brennen“, wie der Experte sagt. Wenn die Teile also in Bagger-handliche Portionen zerteilt sind, fällt Anfang nächster Woche endgültig der Ausleger des Stellwerks.

Eisenbahnnostalgiker werden sich dann an das Jahr 1986 erinnern, als ein Güterzug gegen das Stellwerk prallte und ihm den Pfeiler wegriss. Diesen Unfall hatte es überstanden – den Brand nicht.

 
 

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