Abenteuerlust und Poesie

Schwertkämpfe, Feenstaub, fliegende Helden: Henna Kallmeyers Inszenierung von „Peter Pan“ präsentiert in aufwändig gestalteten Bildern all das, was das Abenteuer liebende Kinderherz höher schlagen lässt. Doch die Premiere im Grillo hat gezeigt, dass Kallmeyer sich nicht auf knallige Showeffekte verlässt: Er kitzelt auch die verträumte Poesie aus James M. Barries Klassiker heraus.

Eine alte Frau betritt ihr früheres Kinderzimmer. Als sie dort einen Piratenhut findet, werden Erinnerungen wach – aus der gebrechlichen Dame wird wieder die junge Wendy, die in einem behüteten Elternhaus aufwächst, aus dem sie aus Trotz ausbricht: ins Nimmerland, einem Traumland,wo Indianer und Feen leben und böse Piraten Land und See unsicher machen. Und wo ihr Held Peter Pan wohnt, ein fliegender Junge, der eine Gruppe anderer verlorener Jungen anführt.

Hier schon wird deutlich: Kallmeyer rückt Wendy in den Vordergrund. Peter Pans Abenteuerwelt entspringt ihrer reichen Fantasie, Peters stetiger Willen, nicht erwachsen zu werden, spiegelt ihren eigenen Konflikt wieder. Antonia Labs passt da perfekt, sie verleiht ihrer Wendy ebenso verspielte Kindlichkeit wie den inneren Drang, sich der erwachsenen Welt der Eltern anzupassen.

Silvia Weiskopf als Peter Pan darf dagegen voll aufdrehen, ebenso ihre verlorene Jungs, darunter Alexander Ritter als windeltragender Quälgeist und RezoTschchikwischwili als daumennuckelnder Kindskopf.

Wo wir gerade bei exzellenten Darstellern sind: Da darf Barbara Hirt nicht fehlen. Ihre Tinker Bell, die getreu Erich Kästners Übersetzung „Klingklang“ heißt, ist eine wunderbar trotzige, doch liebenswerte Fee – mit einer bemerkenswert gestalten, surrenden Fantasiesprache.

Liebevoll kommt auch das Bühnenbild daher: Das Nimmerland etwa als schauriger Traumwald. Für zusätzliche Atmosphäre sorgt die stimmige Musik von Burkhard Niggemeyer und Patrick Hengst. Doch die richtigen Begeisterungsstürme unter den Kindern beginnen, als die Drehbühne das mächtige Piratenschiff offenbart, auf dem ein grimmiger AndreasGrothgar den Haken des Hook schwingt. Endlich beginnen die Schwertkämpfe, witzig und detailreich choreografiert von Klaus Figge.

So haben nach gut anderthalb Stunden die Eltern das gute Gefühl, ihren Kindern eine tiefsinnig- gewitzte Parabel übers Erwachsenwerden gezeigt zu haben – und die Kleinen freuen sich über die spannende Geschichten über Helden, Indianer und Piraten.

 
 

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