Ab Sommer 2017 darf im Baldeneysee gebadet werden

Sand und Sonnenstühle sind schon da, Baden ist hier noch verboten. Ab Sommer 2017 soll das Seaside Beach am Essener Baldeneysee zu einem Naturbad werden.
Sand und Sonnenstühle sind schon da, Baden ist hier noch verboten. Ab Sommer 2017 soll das Seaside Beach am Essener Baldeneysee zu einem Naturbad werden.
Foto: FUNKE
  • Am Seaside Beach Baldeneysee soll im Sommer 2017 für 150 000 Euro ein Naturbad mit Stegen entstehen
  • Der Umweltausschuss entscheidet über das Projekt, das als eine der Attraktionen im Grüne-Hauptstadt-Jahr gilt
  • Das Badeverbot an Ruhr und Baldeneysee wird mit der Badestelle erstmals gelockert - an 20, 30 Tagen im Jahr

Essen. Hunderte Anrufer meldeten sich an den heißen Tagen der vergangenen Woche im Seaside Beach am Baldeneysee: „Sie wollten wissen, ob man bei uns schwimmen kann – und jedesmal mussten wir verneinen“, sagt Seaside-Betreiber Holger Walterscheid. Im kommenden Jahr soll die Antwort anders ausfallen: Auf dem Freizeitgelände soll eine Badestelle entstehen.

Nach jahrelanger Prüfung würde damit die Forderung, das strikte Badeverbot in der Ruhr aufzuheben, zumindest teilweise erfüllt. Gleichzeitig ist das neue Naturbad als eine Hauptattraktion im Grüne-Hauptstadt-Jahr 2017 gedacht. Aus deren Mitteln stammen auch die 150 000 Euro, die für die Anlage benötigt werden. So steht es in einer Vorlage von Baudezernentin Simone Raskob, über die der Umweltausschuss an diesem Dienstag entscheidet.

Raskobs Antwort auf die „tiefe Sehnsucht des Großstädters nach diesem Naturerlebnis“ sieht so aus: Die Badestelle soll am Ufer „mit einem etwa 50 Meter langen Weg aus Betonplatten befestigt“ werden. An beiden Enden und in der Mitte soll jeweils ein Steg zehn Meter in den See ragen. Die Stege bestehen aus „wetterfestem Kunststoffplanken in Holzoptik“. Zwischen ihnen entstehen zwei je 20 Meter lange Badeflächen, die zur Seeseite mit einer Bojenkette begrenzt werden. „Die Wasseraufsicht beschränkt sich ausschließlich auf diesen Bereich“, steht in der Ausschuss-Vorlage.

Nichtschwimmerbecken für Kinder gewünscht

Für Walterscheid, der das Gelände von der Stadt gepachtet hat, bedeutet das eine hohe Verantwortung. „Zum Glück habe ich im Team zwei Rettungsschwimmer, denn ich muss für die Badeaufsicht sorgen.“ Und das ist keine bloße Formalie: An der vorgesehenen Stelle sei das Wasser fünf, sechs Meter tief; für Nichtschwimmer oder kleine Kinder sei das Baden also tabu. Weil der Uferbereich nicht etwa sanft abfalle, könnte der Einstieg auch für weniger geübte Schwimmer heikel sein.

„Ich hätte empfohlen, durch eine Aufschüttung einen Nichtschwimmerbereich zu schaffen, in dem Kinder plantschen können. Dafür muss man halt Geld in die Hand nehmen“, sagt Christian Ochsenbauer, Geschäftsführer der in Essen ansässigen Deutschen Gesellschaft für das Badewesen. Auch Seaside-Betreiber Walterscheid hätte das gewiss begrüßt; mit Sportshwimmern, die vor allem Bahnen ziehen, rechnet er eher nicht. „Unsere Gäste wollen an heißen Tagen nur mal in den See springen, um sich abzukühlen.“ Als echte Freibad-Alternative tauge die Badestelle dagegen kaum, darum wolle er auch den Eintrittspreis vorerst nicht erhöhen.

Schließlich wird der Badespaß ohnehin auf 20 bis 30 Tage im Jahr beschränkt bleiben. Zu diesem Ergebnis kam das Forschungsprojekt „Sichere Ruhr“, das drei Jahre lang die Wasserqualität im Fluss überprüfte. Weil es nach starken Regenfällen regelmäßig zu Verschmutzungen kommt, müssen kurzfristig Badeverbote ausgesprochen werden können. Dafür haben die Forscher ein Frühwarnsystem entwickelt. Zuverlässig umsetzen lässt sich das aber nicht an wilden Badestellen an der Ruhr – sondern eben in früheren Strandbädern, die „behutsam revitalisiert und als Badegewässer ausgewiesen werden“, wie Raskobs Dezernat formuliert. Auch sei ungeordnetes Baden in schutzwürdigen Uferregionen gar nicht erwünscht.

Stimmt der Ausschuss am Dienstag zu, bietet das Seaside Beach ab Frühsommer 2017 die erste offizielle Badestelle entlang der Ruhr: ein Naturerlebnis mit Badeaufsicht.

Wasserqualität wurde jahrelang untersucht

  • Jahrzehntelang war das Baden in der Ruhr offiziell verboten – trotzdem sprangen viele hinein.

  • 2012 startete das auf drei Jahre angelegte Forschungsprojekt „Sichere Ruhr“: Zehn Partner – von Ruhrverband bis Uni – erarbeiteten eine Empfehlung zum Baden in Ruhr und Baldeneysee. Dazu prüften sie regelmäßig die Wasserqualität auf einem 52 km langen Flussabschnitt zwischen Kemnader Stausee und Mülheim. 2015 erklärten sie, an 20 bis 30 Tagen im Jahr sei das Baden in der Ruhr unbedenklich.

  • Seither setzt sich eine Interessengemeinschaft für eine Bademöglichkeit am Baldeneysee ein. Ursprünglich sollte das Badeverbot schon in diesem Jahr fallen.

 
 

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