50 Hinweise auf Pierre Pahlke nach "Aktenzeichen XY" im ZDF

Gerd Niewerth
In der Spezialausgabe "Wo ist mein Kind?" der ZDF-Sendung Aktenzeichen XY befragte Moderator Rudi Cerne (Mitte) die Eltern des verschwundenen Pierre Pahlke, Vater Frank Pahlke und seine Stiefmutter Manuela Pahlke-Lischka, sowie Kriminalhauptkommissar Ralf Menkhorst von der Polizei Essen.
In der Spezialausgabe "Wo ist mein Kind?" der ZDF-Sendung Aktenzeichen XY befragte Moderator Rudi Cerne (Mitte) die Eltern des verschwundenen Pierre Pahlke, Vater Frank Pahlke und seine Stiefmutter Manuela Pahlke-Lischka, sowie Kriminalhauptkommissar Ralf Menkhorst von der Polizei Essen.
Foto: Dirk Bauer / WAZ Fotopool
In der ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY“ sprach Moderator Rudi Cerne mit den Eltern des seit dem 17. September 2013 vermissten Pierre Pahlke. Sie glauben, dass Pierre noch lebt. Der Ermittlungsleiter der Polizei Essen appellierte live im TV an mögliche Entführer. Noch am Abend gingen über 50 Hinweise auf Pierre ein.

Essen/Gladbeck. Seit acht Monaten sucht die Essener Polizei nach dem spurlos verschwundenen Pierre Pahlke (21). Und tritt auf der Stelle. Bringt „Aktenzeichen XY“ in diesem erschütternden Vermisstenfall endlich die Wende? Gibt es endlich wieder neue Ermittlungsansätze? Am Mittwochabend berichteten die ZDF-Fernsehfahnder in dem XY-Spezial „Wo ist mein Kind?“ vor einem Millionen-Publikum über diesen erschütternden Kriminalfall.

Erste Bilanz kurz nach Sendeschluss: „Im Essener Polizeipräsidium sind nach der Sendung über 30 Hinweise aufgelaufen“, sagte Kriminalhauptkommissar Ralf Menkhorst um 22.50 Uhr. Im Münchener ZDF-Studio gingen bis dahin nochmals 20 ein. „Damit hätte ich nicht gerechnet.“ Sind heiße Spuren dabei? „Offenbar nicht“, fügt der Ermittler hinzu. „Keiner der Anrufer konnte uns den konkreten Aufenthaltsort von Pierre nennen.“ Mehrere Anrufer würden aber behaupten, Pierre nach seinem Verschwinden gesehen zu haben.

Während der Live-Sendung in München mit Moderator Rudi Cerne sind Pierres Vater Frank Pahlke und seine Stiefmutter Manuela Pahlke-Lischka, beide aus Gladbeck, im Studio. Ebenfalls dabei: Ralf Menkhorst aus Essen.

Pierres Vater: „Wir denken, dass er noch lebt“


Zu Beginn der 90-Minuten-Sendung sagt Rudi Cerne: „Wir wollen den Familien helfen und einen Lichtblick geben.“ Mutmachen – auch das will Aktenzeichen. „Wir denken, dass er noch lebt und dass ihm nichts Schlimmes passiert ist“, sagt Frank Pahlke. Haben sich möglicherweise unbekannte Peiniger oder Triebtäter das Vertrauen des geistig behinderten jungen Mannes erschlichen und ihn verschleppt? Die Eltern schließen dies nicht aus.

Pierre fährt gerne Auto, heißt es. „Und dazu zu gehören und Freunde zu haben, das war immer das A und O für Pierre“, sagt die Stiefmutter. Bemerkenswert: Obwohl die Eltern seit Monaten leiden, sind sie jetzt in der Live-Sendung sehr gefasst und konzentriert.

Pierre ist seit der Geburt wegen einer Sauerstoffunterversorgung des Hirns geistig behindert, er kann weder lesen noch schreiben. Völlig undenkbar daher, dass er sich am 17. September 2013 auf eigene Faust mit ein paar Cent-Stücken auf und davon gemacht hat, um die Welt zu entdecken.

Festgenommene waren wegen sexuellen Missbrauchs vorbestraft

Die letzte Spur führte die Fahnder im November ins Rotlicht-Viertel von Amsterdam. „Doch diese Spur ist erkaltet“, sagt der Kommissar auf Nachfrage von Rudi Cerne. „Wir waren vier Mal in Amsterdam und haben mit der Polizei gesprochen, aber es gab überhaupt keine Hinweise“, berichtet dann Manuela Pahlke-Lischka.

Wenige Wochen nach Pierres spurlosem Verschwinden aus dem Wohnheim „Heimstatt Engelbert“ auf der Manderscheidtstraße nahm die Polizei in Essen zwei Männer fest, die wegen sexuellen Missbrauchs vorbestraft sind. Weil ihnen aber nichts nachgewiesen werden konnte, musste die Polizei sie wieder freilassen.

Im Studio in München versucht Ralf Menkhorst möglichen Entführern eine Brücke zu bauen:

Ermittler appelliert bei Aktenzeichen XY an mögliche Entführer von Pierre Pahlke 

Im Studio in München versucht Ralf Menkhorst möglichen Entführern eine Brücke zu bauen: „Pierre wäre ein sehr schlechter Zeuge“, betont er. Und will damit sagen: Lasst ihn frei, denn er wird Euch gar nicht verraten können.

Eltern und Großmutter loben 15.000 Euro Belohnung aus

Die Eltern und die Großmutter, die während der Live-Sendung im Hintergrund bleibt, haben aus eigenen Ersparnissen eine beachtliche Summe als Belohnung ausgelobt: 15.000 Euro.

In einem 10-Minuten-Report, der sich aus nachgespielten Szenen, Original-Videos mit Pierre und Zeugenaussagen zusammensetzt, sagt die verzweifelte Großmutter über ihren geliebten Enkel: „Ich wünsche mir, dass er morgen, egal wie, nach Hause kommt, das wäre das größte Geschenk. Wir würden ihn schon wieder aufpäppeln.“ Und Frank Pahlke sagt über das Familienleben seit Pierres rätselhaftem Verschwinden: „Es fehlt was, ohne ihn sind wir nicht komplett.“

Das Schicksal des verschwundenen Pierre Pahlke hat die Zuschauer von Aktenzeichen XY sehr bewegt. "Wir haben im Studio im Fall Pierre mit Abstand die meisten Anrufe", sagt Chefredakteurin Ina-Maria Reize-Wildemann. Bis 75 Minuten nach Sendeschluss hätten sich schon 20 Anrufer beim ZDF gemeldet. Der Inhalt: Die Zuschauer gaben an, Pierre Pahlke im gesamten Ruhrgebiet gesehen haben zu wollen.