20 von 90 Grundschulen in Essen suchen einen Schulleiter

Auch hier wird ein Rektor gesucht: die neu zusammengeführte „Grundschule Haarzopf“. Sie enstand aus den beiden ehemaligen Grundschulen im Stadtteil.
Auch hier wird ein Rektor gesucht: die neu zusammengeführte „Grundschule Haarzopf“. Sie enstand aus den beiden ehemaligen Grundschulen im Stadtteil.
Foto: WAZ FotoPool
20 der knapp 90 Grundschulen in Essen suchen einen Rektor oder eine Rektorin. Zudem sind zudem 18 Stellvertreter-Positionen unbesetzt. Damit steht die Stadt schlechter da als der Landesschnitt. Die Lage hat sich in den vergangenen zwei Jahren weiter zugespitzt.

Essen.. Der Mangel an Grundschulrektoren in Essen wird immer dramatischer. 20 der knapp 90 Grundschulen in Essen suchen derzeit einen Rektoren. Auch 18 Stellvertreter-Posten sind unbesetzt. Das geht aus einer aktuellen Statistik der Düsseldorfer Bezirksregierung hervor. Damit hat fast jede vierte Grundschule in Essen derzeit keinen Chef – oder keine Chefin.

In Essen sind die Verhältnisse somit schlechter als im Landesschnitt. NRW-weit ist an den Grundschulen jeder siebte Schulleiter-Posten unbesetzt. Bereits vor zwei Jahren waren etwas mehr als zehn Prozent der Essener Grundschulen ohne Chef. Seitdem hat sich die Lage erneut zugespitzt.

„Eine Grundschule zu leiten, hat mit viel undankbarer Arbeit zu tun,“, sagt Sandra Holländer, die Vorsitzende des Personalrats für Grundschul-Lehrer. „Wir erleben derzeit einen Generationen-Wechsel. Viele gehen in den Ruhestand, und von der nachfolgenden Generation überlegen es sich die meisten lange, ob sie diesen Aufwand in Kauf nehmen möchten.“

Grundschulen trifft es härter als andere Schulformen, weil dort die meisten Frauen arbeiten. „Wer kleine Kinder zu versorgen hat, der ist nicht unbedingt bereit, zusätzliche Belastung und Verantwortung im Job zu übernehmen“, sagt Sandra Holländer. An den Essener Gymnasien, Gesamtschulen oder Realschulen sind nach Angaben der Bezirksregierung keine Leiterstellen offen; lediglich der Posten eines Stellvertreters an einer Realschule ist derzeit ausgeschrieben.

Zwei Schulen gleichzeitig leiten

Grundschullehrer werden in der Regel nach dem Beamten-Tarif A12 bezahlt. Das bringt, je nach Dienstjahr, zwischen 2700 und 3700 Euro brutto. Wer an den Grundschulen zum Stellvertreter aufsteigt, erhält eine Zulage von 140 Euro brutto.

Eine Grundschulleiter-Stelle ist mit dem Tarif A13 dotiert (3000 bis 4200 Euro brutto monatlich). So viel verdient an den Gymnasien übrigens ein normaler Lehrer ohne Führungsposition. Volle Weihnachts- und Urlaubsgelder erhalten Lehrer schon lange nicht mehr.

Ausgesprochen harter Alltag für ein paar hundert Euro mehr

Für einige hundert Euro mehr im Monat haben die Leiter von Grundschulen mit einem ausgesprochen harten Alltag zu kämpfen, ganz abgesehen vom Unterricht: Die Sekretariate sind in den meisten Schulen nur spärlich besetzt. Ein Hausmeister an jeder Grundschule? Längst Vergangenheit. Hausmeister pendeln zwischen mehreren Häusern. Wo früher die Hausmeister-Loge war, hängt heute in der Regel ein Zettel mit einer Handynummer. Für Notfälle.

Schulen behelfen sich mit Provisorien

Die Schulen behelfen sich mit Provisiorien – fehlt ein Chef, springt automatisch der „dienstälteste“ Kollege ein. Ohne finanzielle Zulage, versteht sich. Oder: Schulleiter werden dazu verdonnert, andere Häuser nebenbei auch noch zu führen. Eigentlich eine Behelfs-Lösung, die maximal ein Jahr andauern soll. Doch es gibt Fälle in der Stadt, in denen es schon länger so geht.

Mit ganz anderen Problemen haben übrigens einige Essener Gesamtschulen derzeit zu kämpfen: Das neue Schuljahr ist schon eine Woche alt – doch nicht alle Lehrer, die nur mit einem Zeitvertrag ausgestattet sind, können ihren Unterricht abhalten. Der Grund: Sie haben ihre Arbeitsverträge von der Bezirksregierung noch nicht zugeschickt bekommen. „Wir haben hier ein massives Problem“, heißt es an einer Gesamtschule, in der gleich sechs Lehrer nicht arbeiten können.

„Im zuständigen Referendariat ist es teilweise zu längerfristigen Krankheitsfällen gekommen“, entschuldigt die Bezirksregierung den Vorgang. 20 Verträge seien deshalb noch nicht bearbeitet.

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