150 bewegende Jahre

Steele..  1863, ein ganz und gar spannendes Jahr. Der Automobilbau-Pionier Henry Ford kommt zur Welt, in Leipzig wird der Allgemeine Deutsche Arbeiterverein gegründet, aus dem kurz darauf die SPD hervorgeht. Geboren wird in diesem Jahr auch Pierre de Coubertin, Franzose, Pädagoge, Historiker und später nicht zuletzt Begründer der Olympischen Spiele der Neuzeit.

Und in Essen? In Steele? Dort heben einige entschlossene und überaus bewegungsfreudige Bürger kurzerhand den Steeler Turnverein 1863 aus der Taufe. Es geschah am 5. Januar. Und zwar im Lokal „Scheidtmann“, in dem sich im Steele dieser Tage ein nicht unerheblicher Teil des Lebens abspielt. 150 Jahre ist das nun her und deshalb auch ein Grund zum Feiern.

Friedrich Ludwig Jahn, der legendäre „Turnvater Jahn“ und Initiator der deutschen Turnbewegung, war noch keine acht Jahre tot, als 1860 in Coburg das erste Deutsche Turnfest gefeiert wurde. Ein Ereignis von nationalem Rang, das in seiner bedeutenden Wucht auch bis nach Essen-Steele strahlte und indirekt die Gründung jenes Vereins beförderte, der heute zu einem der ältesten der Stadt gehört.

Olympiateilnehmer

Der Steeler TV war lange aber nur die halbe Miete, erst 1936 gab’s den Zusammenschluss mit dem Turn-Club Königssteele zur Turnvereinigung Steele 1863, wie sie auch heute noch heißt.

In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts stand das Turnen noch klar im Vordergrund, im Kreis Essen etwa konnte der TVG Steele sportlich kaum jemand das Wasser reichen. Namen wie Heinz Walter, Rudi Hülswitt oder Friedel Overwien dominierten einst das Geschehen an Reck, Ringen oder Barren, wurden in ganz Turner-Deutschland bekannt und haben auch heute, viele Jahrzehnte später, in der Szene noch immer einen Klang.

Einer der größten Erfolge der Vereinsgeschichte: Friedel Overwien schaffte es 1952 sogar bis nach Helsinki, war bei den ersten Olympischen Sommerspielen, an denen die Deutschen nach dem Krieg teilnehmen durften, damit neben Boxer Edgar Gorgas vom BC Steele 1930 ein weiterer waschechter Junge aus dem Essener Viertel.

Groß auch die Aufregung rund 16 Jahre später, als Helmut Tepasse in Mexiko die enorm dünne olympische Höhenluft atmete und neben den deutschen indirekt auch die Steeler Farben vertrat.

Umjubelter Weltrekord

Annette Potempa schließlich, die gebürtige Polin, die sportlich bei der TVG aufwuchs, mehrere Titel holte und 1986 bei einer rasanten Veranstaltung in der Grugahalle einen umjubelten Weltrekord von 32 Flick-Flacks aufstellte, startete 1992 bei Olympia in Barcelona. Obwohl sie Steele drei Jahre zuvor verlassen hatte, hat auch ihr Name seinen festen Platz in der Vereinsgeschichte. Heute feiert die Frau übrigens als Musicaldarstellerin und Schauspielerin durchaus vorzeigbare Erfolge.

Längst aber wird nicht „nur“ geturnt bei der TVG, längst gehören auch Sportarten wie Schwimmen, Jiu Jitsu, Seniorensport, Basketball, Koronarsport, Badminton, Volleyball oder Floorball zum Angebot.

Nachdem die alte Halle in der Dreiringstraße einst der Sanierung der Steeler Innenstadt weichen musste, ist die vereinseigene (!) Halle im Ruhrbruchshof seit den 1980er Jahren der optische Mittelpunkt des Vereinslebens. Genau dort fand im Rahmen des Jubiläumsjahrs vor einigen Wochen nun auch ein großer Festakt statt, bei dem der Vorsitzende Christian Hagedorn und Geschäftsführerin Cornelia van Gelder zahlreiche Gäste begrüßen konnten. Darunter natürlich auch Dr. Karl Quade. Der Mann ist Sportwissenschaftler, Bundesverdienstkreuzträger, Vizepräsident Leistungssport im Deutschen Behindertensportverband, „Chef de Mission“ der Deutschen Paralympics-Mannschaft – zuallererst aber natürlich auch ein Steeler Junge.

 
 

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