11.500 Fundsachen wurden letztes Jahr in Essen nicht abgeholt

Trotz der Enge im Evag-Fundbüro im U-Bahnhof Berliner Platz weiß Gabriele Wissmann sofort, wo sie eine abgegebene Fundsache wieder findet.
Trotz der Enge im Evag-Fundbüro im U-Bahnhof Berliner Platz weiß Gabriele Wissmann sofort, wo sie eine abgegebene Fundsache wieder findet.
Foto: WAZ
  • Selbst Smartphones und Uhren werden nicht abgeholt
  • Nur die wenigsten Finder wollen eine Belohnung
  • Viele Fundsachen müssen versteigert werden

Essen. Die Fundbüros bleiben auf ihren Sachen liegen. Viele Essener, die etwas verloren oder liegengelassen haben, geben zu schnell die Hoffnung auf, wieder in den Besitz ihres Eigentums zu kommen. Sie fragen erst gar nicht im Fundbüro der Stadt oder der Essener Verkehrsgesellschaft nach. Im Evag-Fundbüro stapeln sich ganze Kartons mit Wertsachen wie Smartphones, Geldbörsen, Uhren und Kameras. Abgegeben von Bürgern, von denen die meisten nicht mal Finderlohn wollen. „Auch in den Portemonnaies, die uns übergeben werden, ist meistens noch das Geld drin“, betont Gabriele Wissmann vom Evag-Kundencenter im U-Bahnhof Berliner Platz. „In einem fanden wir sogar 800 Euro. Da ist der Besitzer vor Freude in die Luft gesprungen.“

Trotzdem scheint der Glaube an den ehrlichen Finder ein Stück verloren gegangen zu sein. Wie sonst lässt sich erklären, dass viele Betroffene erst gar nicht nachfragen.

Fast keiner will Finderlohn

Bei der Stadt und bei der Evag blieben im vorigen Jahr 11.500 Fundsachen liegen. Bei der Evag wurden von rund 12.000 Fundsachen nur 3500 von den Besitzern abgeholt wurden. Im städtischen Fundbüro an der Alfredistraße gingen nur 630 von insgesamt 3577 Fundsachen an den Besitzer zurück, also gerade mal jede sechste, berichtet Rathaus-Sprecher Martin Rätzke. Und auch hier sei der Anteil der Abgeber, die auf Finderlohn bestehen „verschwindend gering“.

Dafür hatten aber deutlich mehr bei der Stadt ihren Anspruch auf den Fund geltend gemacht, wenn sich der Besitzer nicht innerhalb eines halben Jahres bei der Stadt meldet. So konnten im Vorjahr nach Verstreichen der Frist 130 Personen ihr Fundstück ganz legal als ihr Eigentum betrachten und im Fundbüro in Empfang nehmen.

Bei der Evag kommt dagegen alles unter den Hammer, was nicht vom Besitzer abgeholt wurde und was noch verwertbar ist. Verdienen tut die Evag damit allerdings nichts. Der Versteigerungserlös vom Vorjahr lag gerade mal bei 3600 Euro und kam einer gemeinnützigen Organisation zugute, berichtet Evag-Sprecher Olaf Frei. Und die Stadt nimmt pro Versteigerung gerade mal durchschnittlich 6000 Euro ein, so Martin Rätzke.

Das Evag-Fundbüro im U-Bahnhof Berliner Platz ist so klein, dass die abgegebenen Gegenstände nach sechs Wochen eingelagert werden müssen. Bis dahin hofft Gabriele Wissmann, dass sich der Besitzer doch noch meldet. „Es lohnt sich oft, sich bei uns zu erkundigen“, sagt sie.

Auch Rollatoren landen im Fundbüro

Frau Wissmann hat trotz der Platznot in der Kammer und auf dem Flur ein System entwickelt, womit sie bei Nachfragen schnell eine Antwort geben kann. Dutzende Schlüssel, Dokumente, Geldbeutel und Smartphones, darunter auch teure iPhones werden nach den beiden letzten Monaten sortiert, die Schirme stehen im Regal, Schale und Mützen befinden sich in bunten Plastikbehältern, Jacken und Rücksäcke werden im Schrank verstaut und gerade gekaufte Waren wie die Weinkaraffe, die der Kunde offenbar in der Hektik zurückgelassen hat, finden auf dem Schrank noch irgendwo einen Platz..

Sogar Gehhilfen und Rollatoren landen im Fundbüro. Ganz persönliche Wertsachen mit detaillierten Angaben dazu werden extra verwahrt. Gabriele Wissmann zeigt erst ein Schmuckstück, dann eine alte goldene Uhr und wundert sich, warum die Besitzer noch nicht bei ihr vorbeigeschaut haben.

Weitere Infos:

Das Evag-Fundbüro im KundenCenter Berliner Platz ist mo- fr. v. 10-18 Uhr offen. Telefonische Anfragen nicht möglich.

  • Beim Fundbüro der Stadt erfolgt der erste Kontakt dagegen telefonisch (88 32 107) oder per Mail: fundbüro@ordnungsamt.essen.de

  • Die nächste Evag-Versteigerung ist am 15.April, 9 Uhr. Ort: Spedition Klauenberg KG, In der Hagenbeck 50.

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