Zur Führung bitte die Schuhe ausziehen

Die Jungen und Mädchen der Kindergartengruppe im Gebetsraum der Moschee. Die Kleinen sind ganz schön nervös vor ihrem großen Auftritt beim Tag der offenen Tür der Ditib-Gemeinde in Schwelm.
Die Jungen und Mädchen der Kindergartengruppe im Gebetsraum der Moschee. Die Kleinen sind ganz schön nervös vor ihrem großen Auftritt beim Tag der offenen Tür der Ditib-Gemeinde in Schwelm.
Foto: Jacqueline Stork

Schwelm..  Dass es nicht einfach ist, Christen in eine Moschee zu locken, das weiß Osman Yilmaz von der türkisch-islamischen Ditib-Gemeinde zu Schwelm nur zu gut. „Ein paar Schwelmer liefen hier immer wieder vorbei, trauten sich aber nicht, rein zu kommen“, erklärt Osman Yilmaz. „Ich bin dann spontan rausgegangen und hab sie herein gebeten“, erzählt er weiter. Am vergangene Pfingstwochenende öffnete die türkisch-islamische Gemeinde ihre Pforten der Moschee an der Hattinger Straße. Zum Tag der offenen Tür war Jedermann eingeladen, die Gemeinde näher kennenzulernen. „Wir möchten Kontakt zu allen Schwelmern“, betont Yilmaz.

Osmanische Tanzgruppe

Auf dem Vorplatz hat die Gemeinde zahlreiche kleine Festzelte aufgebaut. Überall gibt es etwas zu entdecken. Wer möchte, kann bei einer Moschee-Führung die Gebetsstätte näher und von innen kennenlernen. Viele Gäste nutzen die Gelegenheit, einen Einblick in das Heiligste der Gemeinde zu bekommen. „Ich muss Sie bitten, die Schuhe auszuziehen“, fordert Osman Yilmaz die Gäste vor dem Betreten der Moschee auf. Dann dürfen sich die Gäste überall frei bewegen und sich alles in Ruhe anschauen.

Draußen warten bereits wunderbar duftende türkische Spezialitäten. Die Frauen der Gemeinde bereiten türkisches Brot frisch vor Ort zu. 30 bis 40 Kilogramm Teig werden hier an einem Tag verarbeitet. Auf dem Vorplatz herrscht ein munteres Treiben. Kinder spielen ausgelassen auf der Hüpfburg, die Erwachsenen sitzen an großen Tischen und unterhalten sich.

Für Unterhaltung sorgen zwischenzeitlich eine osmanische Tanzgruppe und eine Kindergruppe der Gemeinde. Die Jungen und Mädchen im Alter von vier bis sieben Jahren sind mächtig aufgeregt vor ihrem großen Auftritt. Sie besuchen die Koranschule der Gemeinde und sagen nun zum ersten Mal Verse und Gebete auf Türkisch und arabisch aus dem Koran auf.

Osman Yilmaz ist zufrieden mit der Resonanz aus der Schwelmer Bevölkerung: „Wir haben ein tolles Kulturfest gefeiert, mit Schwelmer Bürgern, zahlreichen Politikern und Vertreten anderer Kirchen.“ Wer die Ditib-Gemeinde besuchen möchte, kann das jeden Tag mit Beginn der Dämmerung. „Auch beim Gebet können Interessierte gerne dabei sein“, lädt Osman Yilmaz Neugierige ein.

Gutes Miteinander in Schwelm

Bereits seit Langem suchen die Mitglieder der türkisch-islamischen Gemeinde einen engeren Kontakt zu den Schwelmern und insbesondere zu den Vertretern der christlichen Kirchen. Mittlerweile ist eine sehr angenehme Atmosphäre entstanden, die geprägt von Neugier und gegenseitigen Besuchen, wie sie nun auch wieder während der beiden Tage der offenen Tür in der Moschee stattfanden.

Dennoch ist es weiterhin ein großes Stück arbeite, das die Gemeindemitglieder des Moschee an der Bahnhofstraße vor sich haben, um weitere Vorbehalte und Vorurteile in der christlichen Bevölkerung abzubauen. Ein Mosaiksteinchen für das Gelingen des multikulturellen Miteinanders in der Kreisstadt war mit Sicherheit das vergangene Wochenende.

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