Zeitreise durch Wirtschaft und Gesellschaft

Die neue Jahresgabe des Vereins für Heimatkunde behandelt „Die Tagebücher des Carl August Kleine aus den Jahren 1899 bis 1939“. Das Bild zeigt von links: 1. Vorsitzende Anne Peter, die Stellvertretende Bürgermeisterin Dr. Frauke Hortolani, Giesela Gutknecht, Dieter Ehlhardt und 2. Vorsitzender Jörn Peter Schröder.
Die neue Jahresgabe des Vereins für Heimatkunde behandelt „Die Tagebücher des Carl August Kleine aus den Jahren 1899 bis 1939“. Das Bild zeigt von links: 1. Vorsitzende Anne Peter, die Stellvertretende Bürgermeisterin Dr. Frauke Hortolani, Giesela Gutknecht, Dieter Ehlhardt und 2. Vorsitzender Jörn Peter Schröder.
Foto: WP

Schwelm..  Drei Jahre lang mussten die Schwelmer auf das Erscheinen einer neuen Jahresgabe des Vereins für Heimatkunde warten. Dafür wird es in den nächsten Monaten gleich drei neue Druckwerke geben. Das kündigte Vereinsvorsitzende Anne Peters bei der Vorstellung der druckfrischen Ausgabe an. Es ist das 63. Heft und trägt das Jahresdatum 2014 – obwohl es im Jahr 2016 herausgegeben wird. Mit der Herausgabe von weiteren zwei Jahresgaben wäre der Verein für Heimatkunde wieder in Tritt mit der üblichen Erscheinweise.

„Drei Jahresgaben in einem Jahr – das ist der Plan“, bestätigt Anne Peter. Die Ausgabe Nummer 63 ist monothematisch und behandelt „Die Tagebücher des Carl August Kleine aus den Jahren 1899 bis 1939“. Darüber hinaus finden sich im Anhang ein Nachruf über Dr. Wolfgang Fenner und die Geschäftsberichte 2013/2014 des Vereins für Heimatkunde. Dr. Fenner war dem Verein über Jahrzehnte eng verbunden und zuletzt 2. Vorsitzender.

Am 17. Mai 2014 verstarb er in Wuppertal. „Mit Dr. Wolfgang Fenner verlieren wir und der Verein für Heimatkunde einen sehr geschätzten Freund, einen verlässlichen, kritischen Forschergeist und einen großen Kenner der Schwelmer Stadtgeschichte“, so Anne Peter in ihrem Nachruf. Die Firma Falkenroth & Kleine wurde 1857 in Breckerfeld gegründet. Doch bereits im Gründerjahr zog das junge Unternehmen um nach Schwelm an die Ostenstraße – dort entlang führte seit 1847 ein Streckenabschnitt der Bergisch-Märkischen-Eisenbahn. Die Geschäfte der Schraubenfabrik Falkenroth & Kleine wurden bis 1972 weitergeführt. Heute stehen auf dem ehemaligen Werksgelände Wohnhäuser, nur noch die angrenzende Fabrikantenvilla gibt es noch. Die steht sowohl innen wie außen unter Denkmalschutz und ist heute Sitz der Verwaltung der Lebenshilfe Ennepe-Ruhr-Kreis/Hagen, Hauptstraße 116.

Der Kauf durch die Lebenshilfe entpuppte sich für den Verein für Heimatkunde als Hauptgewinn. Mit dem Erwerb der Villa gingen an die Lebenshilfe auch viele unzählige Dokumente, Fotografien, Bilder und eben auch die Tagebücher von Carl August Kleine in ihren Besitz über. Diesen historischen Schatz überließ die Lebenshilfe den Heimatforschern. „Die Tagebücher ermöglichen eine ganz spannende Reise durch die Stadtgeschichte“, sagt Anne Peter. Gemeinsam mit Gisela Gutknecht und mit Unterstützung weiterer Helfer hat sie die Geschichte zur neuen Jahresgabe verarbeitet. „Da sich die kontinuierlichen Aufzeichnungen in den Tagebüchern über 40 Jahre erstrecken und sowohl private als auch bedeutende Ereignisse der Geschichte aus persönlicher Sicht dokumentieren, stellte sich bereits bei einer ersten Durchsicht heraus, dass es sich damit um eine hervorragende Quelle zur Schwelmer Wirtschaft- und Gesellschaftsgeschichte handelt“, schreiben die Autorinnen Giesela Gutknet und Anne Peter.

Eine Hürde zu Anfang musste jedoch genommen werden. „Ich konnte die Tagebücher erst nicht lesen – und dann kam Frau Gutknecht“, berichtet Anne Peter. Die ehemalige Grundschullehrerin hatte noch in der Schule die bis 1941 übliche, dem Sütterlin nicht unähnliche alte deutsche Schrift schreiben und lesen gelernt und in einer sechsmonatigen Fleißarbeit fast 40 Tagebücher handschriftlich ins hochdeutsche übersetzt.

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